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Kunst + Architektur – Andy Warhol setzte das Holstentor in Szene

© Foto: Warhol Holstentor: Fotoarchiv Kunsthalle St. Annen © Eva Lucas-Karberg, Sereetz / Warhol Andy / Holstentor / 2008-126 Copyright Andy Warhol Foundation for the Visual Arts Artists Rights Society ARS New York / Andy Warhol: Galerie Reese

Langweilig wird es niemals in Lübeck. Selbst, wer die Stadt gut kennt, entdeckt immer wieder neue Details an und in alten Gebäuden. Je nach Jahreszeit und Licht erscheinen sie dann auch noch überraschend anders. Bei einem herbstlichen Spaziergang durch die schmalen Gassen und Gänge über Kopfsteinpflaster bringen die bunten Blätter Farbe ins Spiel.

Auf Ihrem Weg lohnt ein Besuch der beeindruckenden Kunsthalle St. Annen. Dort begegnet Ihnen gleich im Foyer unsere erste Sehenswürdigkeit, die wir für Sie ausgewählt haben. Denn ab sofort ist nach kurzer Pause der bekannte Siebdruck „Holstentor“ des amerikanischen Pop-Art-Künstlers Andy Warhol aus dem Jahre 1980 dort wieder zu besichtigen. Der kam am 13. November 1980 extra aus New York ins kleine Lübeck, um eine Ausstellung im Möbelhaus Reese zu eröffnen. Der Himmel erstrahlt in einem leuchtenden Blau, der Rasen kräftig grün und das Holstentor grell pink. Damals war das flippig, aber auch heute noch wirkt die Interpretation des Wahrzeichens frisch und modern.
Insgesamt gibt es vier Versionen, die pinke befindet sich im Besitz der Kunsthalle St. Annen. Eine hellrosafarbene, eine gelbe und eine ziegelrot-orange Version sind jeweils in Privatbesitz. Die vier unterschiedlich farbigen Motivausführungen sind typisch für Warhols serielle Arbeitsweise. Die Holstentor-Siebdrucke gehören zu einer Werkgruppe unter dem Titel German Monuments. Weitere Motive sind der Reichstag, der Kölner Dom, der Hamburger Michel und die Vorburg der Drachenburg. Wussten Sie, dass der Superstar der amerikanischen Pop Art im selben Jahr auch deutsche Berühmtheiten, wie z. B. Willy Brandt oder Joseph Beuys portraitiert hat.

Wie kam es überhaupt dazu, dass Warhol das Holstentor in Szene setzte? Angeregt wurde er dazu von seinem Bonner Galeristen Hermann Wünsche. Die beiden waren miteinander befreundet und der Künstler nannte ihn zeitweise „Hermann the German“. Der vermittelte immer mal wieder Aufträge für den Pop-Art-Künstler. So auch mit dem Lübecker Heiner Reese, der in seinem Geschäft für hochwertige Möbel eine Galerie für Kunst mit Bildern von Salvador Dali eingerichtet hatte. Wünsche schlug vor, auch eine Warhol-Ausstellung dort zu veranstalten und stellte eine Bedingung. Reese sollte eines der gezeigten Bilder kaufen. Nach einiger Zeit hingen 150 Arbeiten, darunter welche aus den Serien Flowers und Marilyn Monroe. Extra für die Schau entwarf Warhol die Holstentor-Motive. Dazu reiste Fotograf Christopher Makos nach Lübeck und machte Aufnahmen vom Wahrzeichen, die später für Warhol als Vorlage dienten. Warhol und Makos besuchten an besagtem Tag zuerst einen Empfang im Rathaus und dinierten anschließend in der Schiffergesellschaft. Bei der Ausstellungseröffnung hingen die Werke gar nicht museal in den Galerieräumen, sondern einfach so über den Sofas, womit Warhol kein Problem hatte. Möbelhändler Heiner Reese wählte schließlich das auffällig Pinkfarbene aus, das Sie heute in der Kunsthalle St. Annen bewundern können.

Infos unter www.kunsthalle-st-annen.de.

© Foto: Warhol Holstentor: Fotoarchiv Kunsthalle St. Annen © Eva Lucas-Karberg, Sereetz / Warhol Andy / Holstentor / 2008-126 Copyright Andy Warhol Foundation for the Visual Arts Artists Rights Society ARS New York / Andy Warhol: Galerie Reese

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