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Nordische Filmtage Lübeck

© Foto: Matthias Bothor

Filmfreunde kommen nicht nur aus der Region in den letzten Oktober- und ersten Novembertagen zum europaweit einzigartigen Filmfestival in die Hansestadt. In diesem Jahr setzt das Festival auf Debütfilme und bietet einen Tag mehr Filmgenuss mit der Retrospektive „Baltic Transfer“, Schwerpunkten zu 100 Jahre Baltikum, Island sowie Ingmar Bergman und präsentiert den bisher unbekannten Lübecker Sternenprojektor.

Die 60. Nordischen Filmtage Lübeck stehen vor der Tür und die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, denn die Jubiläumsausgabe hält einige Überraschungen bereit. Vom 30. Oktober bis zum 4. November bietet die Hansestadt Filmfreude für Groß und Klein, für Kenner und für Einsteiger. Im Programm: Filme aus dem fernen und nahen Norden, aus Norddeutschland, Skandinavien und dem Baltikum, aber auch viele weitere Events und Attraktionen, die jetzt schon Vorfreude auf einen cineastischen Herbst machen. Nicht nur das Festival selbst hat allen Grund zum Feiern, auch die Stadt Lübeck begeht ein Jubiläum. Und zum 875. Geburtstag sorgen die Nordischen Filmtage Lübeck für ein filmkunstvolles Geschenk. Im Rahmen des Festprogramms zum Stadtjubiläum präsentieren die Nordischen Filmtage seit Januar die Filmreihe „Lübeck im Film“. Diese zeigt monatlich an besonderen Orten in der Stadt Filme, die entweder in Lübeck entstanden sind oder Lübeck als Thema haben. Die letzten beiden Termine sind am 21. November der Stummfilm „Buddenbrooks“ (1923, Regie: Gerhard Lamprecht) in der Musikhochschule Lübeck. Musikalisch begleitet von Studierenden unter der Leitung von Prof. Franz Danksagmüller. Am 7. Dezember projiziert das Kommunale Kino in Lübeck die Folge „Nacht zum Ostersonntag“ der legendären Krimi-Serie „Stahlnetz“ auf die Leinwand.
Doch auch während der Nordischen Filmtage Lübeck selbst wird die Hansestadt honoriert. Die Sektion Retrospektive widmet sich in diesem Jahr dem Thema „Baltic Transfer – Ostsee und Häfen des Nordens im Film“ und wird sich filmisch mit den überseeischen Beziehungen der Stadt sowie den Hafenstädten des Nordens und der baltischen Länder auseinandersetzen. Hierzu hat man eine passende Location gesucht und gefunden: Im Hafenkino, das im Schuppen 6 an der Untertrave eingerichtet wird, werden die Stummfilme in Szene gesetzt, um die Zuschauer in die richtige Stimmung zu bringen. Dort können Sie die Geschichte zweier wankelmütiger Matrosen verfolgen, die im Hafen von Lübeck ihren Anfang nimmt (Baldevins Hochzeit/Baldevin’s Wedding, NOR 1926), die Verzweiflung eines jungen Mädchens nachfühlen, das sich nach Schicksalsschlägen allein in der Stadt durchschlagen muss (The Way You Wanted Me, Finnland 1944), sich dem Journalisten Karl Kraft bei der Aufdeckung eines Schmugglergeschäfts in den Tiefen des Osloer Untergrunds anschließen (Café X, NOR 1928) oder um das mysteriöse Ende einer aufkeimenden Liebe im Herzen Rigas trauern (Ein Apfel im Fluss/An Apple in the River, Lettland 1974).
Ein weiteres Highlight liefert dieses Jahr das Fulldome Kino. Als wäre das aufblasbare Zelt für 360° Filme, zentral gelegen am Klingenberg in Lübeck, noch nicht spektakulär genug, beherbergt es in diesem Jahr ein Fundstück aus vergangenen Lübecker Zeiten. 1937 konstruierte die Firma E. Nachtigall & Co. Lübeck im Auftrag des Kopenhagener Planetariums einen Sternenprojektor. Die Existenz des zu dieser Zeit revolutionären Geräts wurde jedoch kaum publik, da einer der Erbauer jüdischer Herkunft war und aus Angst vor Verfolgung nicht namentlich genannt werden wollte. Nun kehrt der Projektor für 6 Tage zurück an seinen Heimatort. Dort wird er sowohl tagsüber für die jungen Filmfans ab 6 Jahren reaktiviert, aber natürlich auch für Erwachsene, um ihnen den Lübecker Sternenhimmel zu zeigen. Sie erhalten neben der Sternenschau auch Einblick in seine Geschichte und die Umstände seiner Entstehung in einem Abendprogramm. Neben diesem „Astro-Special“ im Programm und zahlreichen 360° Filmen feiert ein weiterer außergewöhnlicher Film seine Weltpremiere: The Baltic Sea aus Finnland liefert einzigartige Einblicke in die Ostsee im 360° Format und problematisiert gleichzeitigt ihre Verschmutzung durch Umwelteinflüsse wie Plastikmüll usw. Neben der Stadt und dem Festival selbst gibt es noch weitere Jubilare, die von den Nordischen Filmtagen Lübeck besonders geehrt werden. Sowohl die Baltischen Länder Estland, Lettland und Litauen als auch Island feiern in diesem Jahr ihre 100-jährige Unabhängigkeit. Darum wird in allen Bereichen ein besonderes Augenmerk auf aus diesen Ländern stammende Werke gelegt. Genauso wie auf die Filme des schwedischen Regisseurs Ingmar Bergman, der in diesem Jahr ebenfalls seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte. Der im Jahr 2007 verstorbene Filmemacher wurde unter anderem bekannt durch seine erste internationale Ko-Produktion The Touch/Beröringen (Schweden/USA 1971). Neben dieser werden allerdings in der „Specials“-Sektion auch weniger bekannte Werke wie Hafenstadt/Hamnstad (Schweden 1948) und Aus dem Leben der Marionetten (Deutschland/Österreich 1980) gezeigt.
Und auch aus anderen Bereichen können bereits ein paar Titel verraten werden: Im Filmforum, bei dem sich alles um norddeutsche Produktionen aus Schleswig Holstein und Hamburg dreht, ist in diesem Jahr Sandra Nettelbecks Was uns nicht umbringt (Deutschland 2018) mit von der Partie, die Geschichte eines Psychotherapeuten, dessen Welt auf den Kopf gestellt wird, als er sich in eine Patientin verliebt. Außerdem der Film der Lübecker Produzentin Rike Steyer: Goliath 96 (Deutschland 2018), der von den verzweifelten Annäherungsversuchen einer alleinerziehenden Mutter an ihren Sohn handelt. Aus dem Serienbereich darf bereits die Vorführung von Heimspiel/Home Ground (Norwegen 2018) genannt werden, deren Hauptperson, die erste weibliche Fußballtrainerin in der Geschichte der norwegischen Premier League, sich mit verbitterten Spielern und aggressiven Fans konfrontiert sieht.
Natürlich kommen auch junge Filmfans nicht zu kurz. Der Puppenanimationsfilm Käpt’n Morten und die Spinnenkönigin (Estland/Irland/Belgien 2018, Regie: Kaspar Jancis) zeigt die aufregende Reise von Morten, der auf wundersame Weise der Kapitän seines eigenen Spielzeugbootes wird und dessen Crew aus Insekten besteht (empfohlen für Kinder ab der 3. Klasse). In Team Albert (Dänemark 2018) geht es um einen Helden, der gegen seine vorgeplante Kindheit rebelliert und sich in seinem YouTube-Channel Gehör verschafft. Regisseur Frederik Nørgaard gewann im letzten Jahr den Preis der Kinderjury in Lübeck. Unter all diesen und noch weiteren Spiel- und Dokumentarfilmen, Serien, Kinder- und Jugendfilmen und Kurzfilmen werden quer durch die Sektionen neun Preise im Gesamtwert von 50.000 Euro verliehen. Neu dabei in diesem Jahr der „Preis für das beste Spielfilmdebüt“, dotiert mit 7.500 Euro, gestiftet vom Freundeskreis der Nordischen Filmtage Lübeck.

Umrahmt wird das Filmprogramm von spannenden Gesprächsmöglichkeiten mit Regisseuren und Darstellern sowie einem umfangreichen Rahmenprogramm mit Ausstellungen und Konzerten. Außerdem bieten die Nachwuchsprojekte „Young Nordic Filmmakers“ und die „Jungen Festivalblogger“ Einblicke ins Filmemachen und den Medienjournalismus. Die 60. Nordischen Filmtage Lübeck: Ein cineastisches Rund-um-Paket für Liebhaber des nordisch-baltischen Films! Infos unter www.filmtage.luebeck.de.

© Foto: Matthias Bothor

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