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Ach du dickes Ei von A wie Anfang bis Z wie Zeitpunkt

© Foto: Africa Studio / Fotolia

Vielerorts macht sich bereits Osterstimmung bemerkbar: grüne Nester mit bunten Eiern und süßen Küken lauern an verschiedenen Ecken und hier und da luschert mal ein Hase hervor. Der diesjährige Ostersonntag findet am 1. April statt. Dass diese Thematik eigentlich viel zu geschichtsträchtig ist, um daraus einen Aprilscherz zu machen, soll dieser Artikel beleuchten. Auch gehen wir der immer wiederkehrenden Frage auf den Grund, was Ostern – und vor allem der Hase – eigentlich mit Eiern zu tun hat…

Ostern – Entstehung eines Mythos…
Obwohl viele bei Ostern zuerst an Geschenke und Osterfeuer denken, ist dieses Fest für Gläubige das wichtigste Fest im Kirchenjahr. Die vorherrschende Theorie über den geschichtlichen Ursprung steht im Zusammenhang mit dem Leidensweg von Jesus Christus, der Kreuzigung und seiner Auferstehung. Die gesamte Osterzeit erstreckt sich über fünfzig Tage: Vierzig Tage nach der Kreuzigung (Karfreitag) ist Christi Himmelfahrt. An diesem Tag stieg Jesus in den Himmel empor. Am fünfzigsten Tag, an Pfingsten, wird die Entsendung des Heiligen Geistes gefeiert.

Doch gibt es auch eine Legende, deren Ursprung weit vor der Geburt Christi liegt. Demnach gebar die große Göttin Ostara das Weltenei. Sie ließ es zwischen ihren Brüsten Jahrtausende reifen. Als sich die ersten Sprünge in der Schale zeigten, nahm es die Göttin und legte es ins große Dunkel. Die Schale sprang auf und heraus fiel die ganze Welt mitsamt Erde, Wasser, Pflanzen und Tieren. Die Sonne entstand aus dem Eidotter. Die Entstehung des Wortes Ostern wird in diesem Fall von dem Namen der Göttin abgeleitet. Aber während viele der Meinung sind, dass der Begriff daher stammt, dass die Altgermanen der Göttin Ostara huldigten denken einige, dass Ostern eine Ableitung von der Himmelsrichtung Osten ist – dafür spricht auch die englische Bezeichnung „Easter“- denn: im Osten geht die Sonne auf und damit der Beginn des Tages. Beginn ist hier gleichzusetzen mit Leben. Dies entspringt wiederum aus Fruchtbarkeit und dafür steht das Ei.

Ach du dickes Ei…
Wenn das Wort „Ostern“ fällt, hat jeder sofort bunte Eier und Hasen vor seinem innerlichen Auge. Noch verwirrender ist der damit verbundene kausale Zusammenhang, dass der Hase die Eier bringt oder womöglich noch legt. Aber keine Sorge, den eierlegenden Osterhasen gibt es genauso wenig wie die eierlegende Wollmilchsau. Um hier Licht ins Dunkel zu bringen müssen sowohl das Ei als auch der Hase getrennt voneinander betrachtet werden. Das macht es aber nicht weniger kompliziert, denn nun taucht die Frage auf, was Ostereier denn mit der Jesusgeschichte zu tun haben. Drei Tage nach seiner Kreuzigung, die sich am Karfreitag ereignete, geschah die wundersame Auferstehung Jesu (Ostersonntag). Das Ei steht hier symbolisch für Fruchtbarkeit, Leben und Neubeginn – deswegen Osterei. Bereits im ersten Jahrhundert nach Christi sollen Eier zu Ostern verschenkt worden sein.

Ewiger Streit um den Termin…
Genauso wie bei der Symbolik des Hasen scheiden sich die Geister bei der Frage, warum das Osterfest immer an einem anderen Datum stattfindet. Dazu müssen wir gedanklich ins vierte Jahrhundert reisen. Damals in Byzanz wurde der auf den ersten Vollmond im Frühling folgende Sonntag als Ostersonntag definiert. Andere christliche Strömungen bestreiten jedoch diese Regelung was zur Folge hat, dass es auch heute noch zeitliche Unterschiede bei dem genauen Datum gibt. Ein anderer Grund ist die Ausrichtung der Feiertage nach verschiedenen Zeitrechnungen. Während sich die östlichen Kirchen bei ihren Feiertagen nach dem julianischen Kalender ausrichten, orientieren sich die westlichen Kirchen an dem gregorianischen. So kommt es, dass die Anhänger der orthodoxen Kirche meistens eine Woche später feiern.

Wesołego alleluja!

Osterbräuche in anderen Ländern…
So verschieden wie die Meinungen über Hase, Eier und Datum sind, sind auch die Osterbräuche in verschiedenen Ländern. So heißt in Polen der Ostermontag der „Tag des Wassergießens“. Hier kann es schon mal passieren, dass Vorbeikommende kalt abgeduscht werden. Dieser erfrischende Brauch soll Glück bringen. Für die Spanier sind die Prozessionen aus Andalusien typisch. Die Katholiken – gekleidet mit Spitzhauben und langen Kutten – tragen singend Heiligenfiguren aus Holz durch die Straßen. Symbolisch begleiten sie damit Jesus Christus auf seinem Leidensweg zur Kreuzigung. An den Osterfeiertagen in Italien lässt sich der Osterhase zwar nicht blicken, dafür gibt es Ostereier aber auch dort. Anstatt diese zu verstecken werden sie mit zum Marktplatz genommen um dort mit ihnen zu spielen. Dabei geht es darum, die Eier der Gegenspieler kaputt zu machen. Sehr unterhaltsam ist die Ostertradition in Finnland. Die Kinder laufen als Hexen verkleidet von Haus zu Haus und sammeln Süßigkeiten ein. Auch in Osteuropa rollen an Ostern die Eier. In Bulgarien wird das erste Ei immer rot gefärbt – ein Symbol für das Blut Jesu. Auch wird mit der roten Farbe ein Kreuz auf die Stirn der Kinder gemalt. Das bringt Glück. In vielen südamerikanischen Ländern gilt es an Gründonnerstag sieben Kirchen zu besuchen. Die Zahl sieben spielt auch beim Essen eine Rolle: sieben fleischlose Gerichte sollten während der Osterzeit zubereitet werden.
Viele Legenden ranken sich um das bunte Fest, welches gleichzeitig den Frühlingsanfang symbolisiert. Wir hoffen, wir konnten ein wenig zur Aufklärung beitragen und wünschen allen Lesern ein berauschendes Osterfest mit Hase, Nest und Co. hier an der Lübecker Bucht.

Wie das Lamm zum Hasen wurde…
Dass hierzulande der Hase der Star jeder Osterfeierlichkeit ist, könnte einem Zufall geschuldet sein. Ursprünglich galt nämlich das Lamm als Symboltier des Osterfestes. So glauben viele, dass der Hase aus einem misslungenen Ostergebäck, welches ursprünglich ein Lamm verkörpern sollte, entstanden ist. Eine andere Theorie lehnt sich an die erhöhte Fruchtbarkeit der Hasen. Diese tragen in den Wochen vor Ostern sehr wilde Paarungskämpfe – die sogenannte „Hasenhochzeit“ – aus.

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