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Männer – Beim Barte des Propheten!

© Foto: gstockstudio / depositphotos.com

Urig, autoritär, ein Sinnbild ungezügelter Männlichkeit – diese Attribute kamen mir beim Anblick von Michaels neuer Gesichtsbehaarung in den Sinn. Der Mittvierziger hatte sich in seinem Urlaub einen Vollbart wachsen lassen und nach dem Wiedereinsteig ins Berufsleben einfach damit weitergemacht.

Auch wenn Michael sich nie dem Verdacht ausgesetzt hatte, ein Hipster oder Holzfäller zu sein, musste ich zugeben: Die neue rot-braun wuchernde Haarpracht stand ihm wirklich gut. Und doch spekulierten wir im Freundeskreis, was einen verheirateten Mann in den besten Jahren dazu treibt, sein Äußeres derart radikal zu verändern. Trägt Michael den Bart, um etwas zu verstecken? Möchte er sein verletzliches Seelenleben unter einem Schutzpanzer aus Haaren verbergen? Oder will der gelernte Bankkaufmann seine Ablehnung gegenüber dem engen Korsett zum Ausdruck bringen, das sein Arbeitgeber ihm in Form eines spießigen Dresscodes schnürt?

Der Bart als Zeichen der Rebellion, der inneren Emigration, der intellektuellen Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Konventionen also. Vielleicht steht das buschige Gewächs ja auch für eine religiöse Neuausrichtung? Eine eventuell vorhandene Sympathie zu den Taliban oder anderen Fanatikern konnten wir, seine glattrasierten Freunde, dann doch ausschließen. Beim Barte des Propheten, was hatte es dann mit der neu entdeckten Borstigkeit auf sich? Mehrere Wochen lang war Michaels Erscheinungsbild ein häufig diskutiertes Spekulationsobjekt. Als wir unseren Freund schließlich in einem Anflug von Erwachsenheit darauf ansprachen, warum er denn eigentlich einen Bart trage, antwortete er so simpel wie einleuchtend: „Weil ich es kann.“ Touché – wo er Recht hat, hat er Recht. pa

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