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Brahms-Festival unter dem Motto „Heimat“

© Foto: Olaf Malzahn

Neun Tage lang, vom 6. bis zum 14. Mai, feiert die Musikhochschule ihr Brahms-Festival. In diesem Jahr steht es passend zu aktuellen Ereignissen unter dem Motto „Heimat“ und in der Zeit nähern sich Klarinettistin Sabine Meyer, Pianistin Konstanze Eickhorst, Oboist Diethelm Jonas und viele andere
renommierte MHL-Dozierende gemeinsam mit ihren Studierenden dem facettenreichen Heimatbegriff.

Wie ein roter Faden zieht sich das Motto durch die 28 Veranstaltungen des Festivals. In Sinfonie- und Kammermusikkonzerten, moderierten Veranstaltungen und musikpädagogischen Angeboten erklingen unter anderem Werke von Chopin, Brahms, Grieg, Mahler, Zimmermann und Mack. „Die Konzerte spiegeln viele Aspekte der Heimaterfahrung: von romantischer Verklärung, über die Suche nach nationaler Identität bis hin zu Heimatverlust durch Migration und Exil“, erläutert Projektleiter Professor Wolfgang Sandberger. Er zieht die Verbindung zum Namensgeber des Festivals: „‘Heimweh‘ ist das schön-bittere Wort für das Gefühl von Heimatverlust, das Johannes Brahms wohlvertraut war. Er widmete dem Thema mehrere Kompositionen.“ Seiner Heimatstadt Hamburg kehrte er 1871 den Rücken, weil er dort zu wenig Perspektive für sich sah.

Das Festival thematisiert auch zwei Komponistenjubiläen: Der Däne Niels Gade wurde vor 200 Jahren geboren, der koreanischstämmige Isang Yun vor 100 Jahren. Nach Deutschland ausgewandert und dort vom koreanischen Geheimdienst entführt, musste Yun den Heimatverlust zweifach verkraften. Das Festival soll dazu anregen, sich mit dem Heimatbegriff auseinanderzusetzen, der nicht erst in Zeiten von Flüchtlingswellen eine politische Dimension gewonnen hat. Die Musikhochschule selbst beheimatet Studierende aus über 40 Nationen, die einen ganzen Konzertabend mit der Musik ihrer Heimatländer gestalten werden. Seminare, Vorlesungen und Proben begleiten die Projektwoche. MHL-Präsident Rico Gubler ist als Saxophonist selbst dabei. Er sagt: „Über hundert Mitwirkende stehen in 33 gemischten Ensembles aus Studierenden und Dozierenden auf der Bühne, zahlreiche Hochschulmitglieder sind hinter den Kulissen eingebunden. Das Festival entfaltet dadurch eine enorme Strahlkraft – nicht nur nach außen, sondern vor allem nach innen.“

Gestartet wird das 26. Brahms-Festival am 6. Mai mit einem Präludium im Kammermusiksaal der Musikhochschule Lübeck (MHL). Ab 18 Uhr führt eine interdisziplinäre Podiumsdiskussion, moderiert von MHL-Präsident Rico Gubler, in das Festival-Motto „Heimat“ ein. Vertreter verschiedener Lübecker Kulturinstitutionen diskutieren den schillernden Heimatbegriff: Unter Leitung des Berliner Gastdirigenten Simon Bernardini eröffnet das Hochschulorchester das Brahms-Festival um 19.30 Uhr. Das Programm mit dem Titel „Musik als Heimat“ spannt einen weiten Bogen von der Heimatbegeisterung in Smetanas Ouvertüre „Die verkaufte Braut“, über Naturassoziationen im Orchesteridyll “Sommerwind“ des ganz jungen Webern, bis hin zu den transzendenten Aspekten von Heimat, die Mahler in seiner vierten Sinfonie hörbar macht. Das gesamte Programm finden Sie unter www.mh-luebeck.de.

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