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Lübecks Straßennamen – Vom Fegefeuer bis zu den bildhaften Querstraßen

©LTM - Thorsten Wulff

Wer die Hintergründe zu Lübecks Straßennamen erforscht, stößt auf allerlei amüsante und  interessante Geschichten. In den alten Lübecker Adressbüchern in Papierform sind Erläuterungen zu den Straßennamen zu finden. Wenn Sie Interesse daran haben, können Sie in der Stadtbücherei diese Adressbücher einsehen.

Nehmen wir zum Beispiel das „Fegefeuer“. Die Straße führt vom Domkirchhof direkt ins Paradies, die große Vorhalle des Lübecker Doms. Sie können aber auch den Weg in die „Hölle“ einschlagen, doch ist zu bedenken, dass es sich bei der Straße um eine Sackgasse handelt.
Dann gibt es die Gruben, die von Querstraßen gekreuzt werden. Neben der „Düsteren Querstraße“, finden wir die „Lichte Querstraße“ und die „Einhäuschen-Querstraße“. Uns begegnen aber auch die „Fünfte“ und „Sechste Querstraße“ und lustigerweise die „Gerade Querstraße“, die es eigentlich nicht geben dürfte, schließlich handelt es sich um einen Widerspruch. Aber im Gegensatz zur „Krummen Querstraße“ hat sie wieder ihre Berechtigung. Die „Hartengrube“ nannte man nach Heinrich, der auch Löwe hieß. „Harten“ verweist auf seinen Titel als Herzog. Seit 1287 hieß sie zunächst „Hartogengrowe“ und Herzog Heinrich der Löwe gründete die nahe liegende Domkirche.

Viele Straßennamen verweisen auf Berufszweige wie zum Beispiel „Hüxterdamm“, denn „Hüxter“ war ein Wort für Krämer. Im Plattdeutschen finden wir noch den Begriff „Höker“. In der „Mengstraße“ bot die Bäckerzunft ihr gemengtes Brot zum Kauf an. Seit 1259 hieß der obere Teil der Straße früher „Bei den Brodschrangen“. Schrangen kommt von „Schranken“, was so viel wie Verkaufstresen bedeutet. Neben den Bäckern fanden sich auch die Schlachter, die ihre Waren feilboten. Von einem anderen Handwerk erzählt die „Grapengießerstraße“: Man formte dort Töpfe. Die „Schüsselbuden“ wurden nach den Marktständen für Haushaltswaren benannt. Weitere Straßen verweisen ganz eindeutig auf Berufszweige wie die „Glockengießer- oder die „Fleischhauerstraße“. Nicht gleich erkennen kann man den alten Beruf, der in der „Wahmstraße“ ausgeübt wurde. „Wahm“ ist die Verkürzung des Wortes „Wagenmann“ und verweist somit auf die Fuhrleute, die dort lebten.
Um Fisch, genauer den Hering, ging es in „Alt Herrenwyk“, denn der Hering stieg angeblich bis in die Bucht. Belegt ist der Begriff „Herrenwyk“, was „Heringsbucht“ bedeutet seit 1230. Auch in der Lachswehrallee geht es um Fisch. Dort, in dem Wehr, fing man seit 1188 Lachse. Irgendwann, so seit 1695, blieben die Lachse aus und man betrieb ein Kaffeehaus.
Hinter dem „Ballhorns Gang“ steckt auch eine bedeutsame Geschichte. Einst war das Ballhorn Sitz einer wichtigen und historisch bedeutsamen Druckerei, gegründet von Johann Ballhorn. Der Begriff „Verballhornung“ stammt daher, wofür der Drucker nichts konnte. Im Auftrag des Lübecker Rates musste er eine hochdeutsche Fassung des lübischen Rechts drucken, die allerdings zahlreiche Änderungen enthielt. Über 400 Jahre nachdem die letzte Schrift die Druckerei in der Hundestraße verließ, ist das Gebäude heute saniert und die historischen Elemente wurden so gut es ging, erhalten.

Glandorps Hof Gang in der Lübecker Altstadt ©LTM – Thorsten Wulff

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