25. Juli 2026
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Wie ein Filetstück meinen Neid grillte

Sich mit anderen zu vergleichen, macht unglücklich. Diesen Grundsatz beherzige ich seit vielen Jahren – und fahre ziemlich gut damit. Warum sollte ich anderen auch etwas neiden? Ich habe eine schöne Behausung mit einem netten kleinen Garten, meine bessere Hälfte pflegt mit Hingabe Pflanzen, Sträucher und Blumen, wohin das Auge reicht. Das Hochbeet versorgt uns mit frischen Tomaten, Spitzpaprika und allerlei grünem Glück. Kaum küssen uns die ersten Sonnenstrahlen, wird die Grillsaison eröffnet – wir laden regelmäßig Freunde ein und kredenzen bodenständige Leckereien von Würstchen bis zum Tofusteak. Vor allem aber bauen wir dann unser großes Planschbecken auf – 2×3 Meter, das reicht fast für eine Runde zu schwimmen, zumindest für unseren Lütten. Kurzum: Alles war gut. Dachte ich. Bis unser Nachbar vor zwei Monaten einen gigantischen Swimmingpool in seinen Garten setzte. Ein echtes Riesending, mit Rutsche für seine beiden Blagen, dazu regelmäßig Kinderpartys deluxe. Ich gebe es zu: Ich war neidisch. Mein liebevoll gehütetes Planschbecken kam mir plötzlich mickrig vor. Und dann dieses Dauergekreische glücklicher Kinder – an konzentriertes Lesen am Feierabend war nicht mehr zu denken. Über Wochen wuchs meine Wut. Erst ein leises Ärgern, dann grimmiges Naserümpfen, schließlich dramatische Szenen innerlich: Ich, wie ich entrüstet über die Hecke brülle. Bis ich beschloss, das Gespräch zu suchen. Auf alles gefasst, ging ich rüber. Der Nachbar stand an seinem Luxus-Gasgrill und fragte in die Runde: „Wer möchte das Filetstück?“ Natürlich Filet, dachte ich mir, während sich mein innerer Monolog auf Betriebstemperatur aufheizte. Ich war drauf und dran, ihm ordentlich die Meinung zu geigen, als er mich sah, freundlich grinste und sagte: „Hi Nachbar, möchtest du mitessen?“ Ich wollte Nein sagen, wirklich. Aber beim Anblick dieses perfekt gegrillten Fleischstücks versagte mein Widerstand. Der erste Bissen war wie ein Miniurlaub im Gaumen. „Tollen Pool habt ihr da“, murmelte ich zwischen zwei Kauvorgängen. „Danke“, sagte er, „komm doch mal rüber mit deiner Familie.“ Eine Woche später saßen wir gemeinsam am Pool, unser Kleiner juchzte beim Rutschen, meine bessere Hälfte plauderte angeregt, und ich? Ich lag auf einer Luftmatratze und dachte: Sich zu vergleichen macht unglücklich. Aber gemeinsam die Vorzüge eines riesigen Pools an einem Sommertag zu genießen, ist ziemlich nah dran am Glück. pa

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