27. August 2026
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Drei Tage ohne Smartphone

Ich bin spät auf den Smartphone-Zug aufgesprungen. Bis vor wenigen Jahren hatte ich noch ein Nokia 6230i. Ja, genau: das mit der verbesserten 1,3-Megapixel-Kamera. Ich hatte gute Gründe, mich dem Smartphone zu verweigern. Ich lasse mich leicht ablenken – warum also eine Maschine in der Hosentasche haben, die mir jederzeit lustige Videos, Nachrichten und Shoppingmöglichkeiten serviert? Wenn ich Bahn fahre, möchte ich aus dem Fenster schauen oder ein gutes Buch lesen. Hier und jetzt war mein Stichwort. Doch irgendwann wurde selbst mir das zu bunt. Mein Sohn kam in die Kita: App benötigt. Deutschlandticket? App benötigt. Und ich gebe es zu: Das Smartphone hat auch Vorteile. Am Strand schnell ein Foto vom Sohnemann? Check. Spotify in der Arbeitspause? Check. Navigation auf langen Fahrradtouren? Check. Das Smartphone hatte mein Leben tatsächlich vereinfacht. Aber ist einfacher immer besser? Neulich saß ich in der Bahn und sah mich um: 10 Leute im Abteil, neun davon am Handy. Ich war einer davon. Kurzentschlossen bestellte ich mir ein Einfachhandy, auch Seniorenhandy genannt. Ohne Kamera, dafür mit extra großen Tasten. Die Idee: unterwegs nur telefonieren und SMS schreiben, zu Hause das Smartphone für alles Notwendige. SIM-Karte raus aus dem Smartphone, rein ins Dumbphone. Meine Zeitreise ins digitale Mittelalter begann. Sie endete nach drei Tagen. Am ersten Tag wurde ich in der Bahn kontrolliert: „Deutschlandticket bitte.“ Mist. Das war natürlich auf dem Smartphone. Am zweiten Tag passierte etwas so Unglaubliches, dass man es eigentlich hätte fotografieren müssen, damit man mir glaubt. Natürlich hatte ich keine Kamera dabei. Am dritten Tag wollte ich „nur kurz etwas nachschauen“. Ich nahm das Smartphone. Nachricht. Schlagzeile. Video. Noch ein Video. Zack – 20 Minuten weg. Da musste ich lachen. Nicht über das Smartphone, sondern über mich. Vielleicht ist die Frage gar nicht, ob ein Smartphone gut oder schlecht ist. Sondern: Wer benutzt eigentlich wen? Mein Seniorenhandy habe ich über Kleinanzeigen wieder verkauft. Für den nächsten Versuch kann ich mir schließlich mit meinem Smartphone jederzeit ein neues bestellen. Die Digitalisierung ist wirklich eine wunderbare Sache. pa

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