Sie sind Songwriterin, Sängerin und Schriftstellerin und arbeiten eng mit Udo Lindenberg zusammen. Außerdem sind sie Projektleiterin der Udo Lindenberg-Stiftung und für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Wir haben gehört, dass Udo im Krankenhaus liegt. Wie geht es ihm?
Es geht ihm gut so weit. Er hat eine Gastritis, die sich als hartnäckiger erwies als zunächst angenommen. Und so etwas muss vollständig auskuriert werden, damit es nicht chronisch wird. Aber Udo ist ein Stehaufmännchen, der sich immer wieder zurück auf die Bühne katapultiert. Schließlich hat er den Club der Hundertjährigen ins Leben gerufen, mit großem Konzert zu seinem 100. Geburtstag 2046.
Sie haben zusammen mit Udo den Song „Hinterm Horizont“ geschrieben, in dem Udo den frühen Tod einer Weggefährtin verarbeitet. Wie kann man sich diese Zusammenarbeit vorstellen?
Mit Udo zusammen zu texten, ist Abenteuer, Kinderkarussell und Höllenritt zugleich und macht mir jedes Mal eine Riesenfreude. Ich kenne niemanden, der so freigeistig und kühn mit Worten umgeht, wie er. Durch ihn habe ich gelernt, dass das, was in der Kunst so leicht daherkommt, oft auf hartem Boden gewachsen ist. Dieser Udogene street slang, der wie locker aus der Hüfte
geschossen wirkt, der hat oftmals eine längere und mitunter steinige Entstehungsreise hinter sich. Aber wenn wir fühlen, das ist es jetzt, dann ist das ein wunderschönes, einzigartiges Gefühl, das jede Mühe lohnt.
Am 3. Dezember treten Sie auf der Showbühne von Unterhaltung am Meer in Timmendorfer Strand auf. Worauf können sich die Gäste freuen?
Das ist ja immer ein sehr unterhaltsamer Abend, den Rotraud Schwarz zweimal im Jahr für Unicef zusammenstellt. Ich werde ein bisschen was über die Stiftung erzählen, ein paar Anekdoten über die Zusammenarbeit mit Udo Lindenberg, über mein Mutmachbuch und dann werde ich wahrscheinlich noch 2–3 Lieder singen! Könnte sein, dass auch Horizont dabei ist.
Zusammen mit Arno Köster moderieren Sie den offiziellen PanikPreis Podcast. Dort stellen Sie regelmäßig neue Talente vor. Was macht Ihnen besonders Spaß bei der Arbeit mit jungen Künstlerinnen und Künstlern?
Ich habe ein großes Herz für die jungen Musiker und Musikerinnen. Sie erinnern mich an mich selbst in meiner Anfangszeit. Erwachsen werden und auch Erfolg bringt ja leider oft mit sich, dass man diese „was kostet die Welt“ Leidenschaft und seine Unschuld verliert. Die ersten Rückschläge machen dich vorsichtiger. Du läufst Gefahr, dich für den vermeintlichen Erfolg mehr anzupassen. Und ich versuche, den jungen Künstlern Mut zu machen. Mut, authentisch zu bleiben und nicht aufzugeben.
Ein weiteres Highlight ist das traditionelle Abschluss-Konzert des PanikPreises im Rahmen des Hermann Hesse-Festivals im Kloster Hirsau am 1. August in Calw. Was steht auf dem Programm?
Udo musste seinen Auftritt schweren Herzen wegen seiner Gastritis absagen. Und er war wirklich sehr traurig darüber, denn die Stiftung und der PanikPreis liegen ihm sehr am Herzen. Er hat sich in seiner Laufbahn schon immer für den Nachwuchs eingesetzt. Aber wir haben ein echt tolles Programm für den Abend auf die Beine gestellt. Wir werden einen wunderschönen Abend haben mit einer Träne im Knopfloch, weil Udo nicht dabei sein kann.
Betrachtet man Ihr Leben, fällt immer wieder auf, dass Sie Menschen Mut machen und sie berühren möchten? Was begeistert Sie daran?
Was gibt es Schöneres, als wenn jemand dein Buch liest und sagt: Du hast mein Leben verändert! Ich bin raus aus dem Job, den ich gehasst habe und bin an die Ostsee gezogen, wo ich schon immer hinwollte. Ich möchte den Menschen zeigen, dass sie stärker sind als ihre Angst. Darum habe ich das „Mutmachbuch für Träumer – denn hinterm Horizont geht’s weiter“ geschrieben, zu dem Udo ja ein richtig gutes Vorwort geschrieben hat!
Wie kam es dazu, dass Sie schon so lange an Udos Seite arbeiten? Wir bitten um eine Kurzfassung.
Ich habe in einem Song geschrieben: Es stand im großen Buch geschrieben, dass wir uns treffen, irgendwann. Ich glaube, eine Freundschaft, die so lange andauert und die durch gemeinsame Werke eine ganz starke Substanz enthält, ist Schicksal. Mit wem sonst hätte ich „Horizont“ schreiben sollen? Da gibt es etwas in unserer DNA, das fühlt sich an wie Blutsverwandtschaft. Wahrscheinlich kommen wir vom selben Stern. Wenn nachts das Handy klingelt und eine knarzige Stimme „Na, Bealinchen“ nuschelt, dann ist das Zuhause!
Was wünschen Sie sich für Ihre Zukunft?
Das, was ich mir am meisten wünsche, ist, ein guter Mensch zu sein. Weil es das ist, was ich mir von allen Menschen wünsche. Mitgefühl zu empfinden, die Natur zu achten, hilfsbereit zu sein und freundlich. Ich möchte der Mensch sein, mit dem ich gerne befreundet wäre. Und natürlich möchte ich mit meiner Musik und meinen Worten Welten und Gefühle erschaffen, in denen Menschen sich wiederfinden und etwas Schönes, Bereicherndes für sich mitnehmen können. So etwas wie Seelennahrung.