25. Juli 2026
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Versöhnung mit Weihnachten

Als Kind war ich ein echter Weihnachtsmuffel. Klar, die Geschenke waren toll, und die Berge an Süßigkeiten, die ich mir an diesem Tag ohne jegliche Diskussion reinpfeifen durfte, waren ein Highlight. Aber der Rest? Geselligkeit, Weihnachtslieder, besinnliche Stimmung? Danke, nein. Nach der Bescherung zog ich mich am liebsten direkt mit dem neuen Playstation-Spiel in mein Zimmer zurück. Währenddessen gab die Verwandtschaft unten alles, um sämtliche Weihnachtsklassiker mit maximaler Inbrunst (und minimalem Taktgefühl) zu präsentieren. Später, als Erwachsener, wurde es auch nicht besser. Im Gegenteil. Als eher areligiöser Mensch interessierte mich die wahre Bedeutung von Weihnachten kaum, und der Kommerz drumherum machte es nur schlimmer. Überfüllte Einkaufszentren und kitschige Werbespots, die dir weismachen wollen, dass ein völlig überteuertes Parfum das wahre Weihnachtswunder ist? Das war wirklich nichts für mich. In den letzten Jahren hat sich jedoch etwas verändert. Obwohl ich Weihnachten nie viel abgewinnen konnte, vermisse ich es plötzlich. Nicht nur die Geschenke, sondern vor allem die Geselligkeit. Damals, als ich mich mit meinem Geschenk ins Zimmer verzog, war das Haus trotzdem voller Leben. Ich hörte das Lachen, die Gespräche und die schief gesungenen Lieder im Hintergrund. Inzwischen fehlt all das. Viele der Stimmen, die damals so laut und schief „Stille Nacht“ anstimmten, sind nicht mehr da. Und ja, ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen würde, aber genau das fehlt mir jetzt. Heute, als Vater eines bald vierjährigen Sohnes, mache ich einen radikalen Schritt: Ich versöhne mich mit Weihnachten. Ich will, dass mein Sohn diese Magie erlebt – und dafür bin ich bereit, alle meine Prinzipien über Bord zu werfen. Ich werde mich in der Vorweihnachtszeit in das vollste Einkaufszentrum stürzen, das ich finden kann, und mich durch Menschenmassen kämpfen. Unser Haus wird zu einem leuchtenden Kitschtempel mutieren – inklusive blinkender Rentiere, goldener Sterne und wahrscheinlich auch einer Plastik-Krippe. Zu Heiligabend lade ich die gesamte bucklige Verwandtschaft ein. Und ja, wir werden Weihnachtslieder singen. Dieses Mal gibt es keine Ausreden. Ich werde die Liedtexte in zwanzigfacher Ausführung drucken und an alle verteilen. Selbst Onkel Hannes, der eigentlich schon mit dem ersten Vers überfordert ist, wird mitsingen. pa

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