Seit der Geburt meines Sohnes vor vier Jahren hatte ich mit dem sogenannten Vatertag abgeschlossen. Kein Bollerwagen, kein Dosensaufen, kein peinliches Verhalten im Wald oder auf Landstraßen. Ich war raus aus dem Spiel. Vatersein statt Vatertag. Mal ehrlich: Warum heißt dieser Tag eigentlich Vatertag? Die meisten, die da unterwegs sind, haben gar keine Kinder. Es sind Jugendliche, Feierwütige oder Männer, die das mit dem Erwachsenwerden einfach nicht so genau nehmen. In manchen Gegenden heißt es auch „Herrentag“, was es irgendwie noch absurder macht. Klingt nach Stil, sieht aber meistens nach Suff aus. Bis vor ein paar Jahren war ich selbst dabei. Eine Art Männergruppe auf Abwegen. Mit Grill, Bier, Schnaps, Musikbox und dem festen Ziel, sich schon mittags die Kante zu geben. Unsere Touren führten durch die ostholsteinische Natur, Ziel war der Strand – Hauptsache irgendwo, wo man sich irgendwann hinlegen konnte. Tagsüber betrunken sein, auf halbem Weg einschlafen, irgendwo an die Hecke pinkeln, am Ende das Frühstück noch mal durch den Kopf gehen lassen – das war das Standardprogramm. Irgendjemand verlor immer was: Handy, Würde, manchmal auch das Gleichgewicht. Andreas hat sich mal im Vollsuff das Handgelenk gebrochen. Kurz gesagt: Alles, was man als vernünftiger Erwachsener eigentlich nicht mehr tun sollte. Dann kam mein Sohn. Und mit ihm ein Umdenken. Ich habe an keinem dieser Vatertage mehr teilgenommen. Die meisten meiner alten Freunde übrigens auch nicht. Und es war okay. Ich hab nichts vermisst. Bis vor ein paar Tagen. Da kam eine Einladung von Hagen. Alter Kumpel, Familienvater, verheiratet, zwei Kinder – also eigentlich im selben Boot wie ich. Er schrieb: „Hallo Freunde des gepflegten Frühschoppens! Mein Geburtstag fällt dieses Jahr zufällig auf den Vatertag. Was für ein göttlicher Wink mit dem Zaunpfahl! Wir wollen uns wie früher die Rüstung fetten, einen in den Turban kneten und der Männlichkeit noch einmal die Ehre erweisen – mit Bollerwagen, Bier und jeder Menge Blödsinn – kommet in Frieden und mit belastbaren Schuhen!“ Ich musste nicht lange überlegen. Vielleicht bin ich doch nicht ganz raus. pa