Kürzlich in der Ostseetherme. Eigentlich wollten wir entspannt baden gehen, am Ende gab es vor allem eine Lektion in kindlicher Verhandlungskunst. „Unsere Badezeit ist gleich um. Wir können noch einmal rutschen“, erklärte ich dem Lütten. „Och, bitte zweimal“, kam die sofortige Antwort. Ich erklärte ihm, dass unsere Badezeit gleich zu Ende sei und ich ungern nachbezahlen wolle. Ein vernünftiges Argument, dachte ich. „Nur noch dreimal“, bettelte der Filius nun. Ich gab nach. Wie immer. „Na gut. Zweimal – und dann beeilen wir uns.“ Das Ende war absehbar: Wir verließen die Therme drei Minuten zu spät und mussten nachzahlen. Die Erziehungskosten lassen sich offenbar nicht nur in Windeln und Schuhen messen. Auf dem Rückweg dachte ich darüber nach, dass das nicht das erste Mal war, dass mein Sohn mich auf diese Weise überzeugt hatte. „Darf ich noch drei Gummibären?“ „Nein, nur noch zwei.“ „Och, bitte Papa. Fünf Gummibären!“ „Na gut, drei kriegst du – aber dann ist Schluss.“ Die Liste ließe sich problemlos verlängern: noch eine Geschichte, noch ein Lied, noch fünf Minuten wach bleiben, noch ein Schluck Wasser. Immer das gleiche Muster. Ich beginne mit einer klaren Grenze. Er bittet um mehr. Am Ende einigen wir uns auf etwas, das deutlich über meiner ursprünglichen Ansage liegt – und ich habe trotzdem das Gefühl, konsequent gewesen zu sein. Je länger ich darüber nachdachte, desto klarer wurde mir: Das ist kein Zufall. Das Ganze hat Methode. Mein Sohn verhandelt nicht spontan, er verhandelt systematisch. Und leider ziemlich erfolgreich. Vielleicht sollte ich mir künftig meine eigenen Regeln vorher besser durchlesen. Oder ich fange an, grundsätzlich weniger anzubieten, damit am Ende wenigstens das Ergebnis stimmt. pa