Neulich war ich bei einem Freund zu Besuch, dessen Sohn gerade das volle Fußballfieber gepackt hat. Poster seines Lieblingsvereins Bayer Leverkusen zieren sein Zimmer, und die Bettwäsche trägt natürlich auch das Vereinslogo. Da kamen bei mir alte Erinnerungen hoch. Ich war früher nämlich großer Bayern-Fan. Nicht einfach so, sondern richtig ausgestattet: Vom Fan-Schal bis hin zu Trainingsklamotten, sogar die Bettwäsche – das volle Programm! Ich war quasi ein wandelnder Fanartikel. Wenn man mich geschüttelt hätte, wäre wahrscheinlich Konfetti in Rot-Weiß herausgefallen. Ich erinnere mich noch gut an die Bettwäsche. Alle großen Stars der 2000er waren abgebildet. Luca Toni, Mehmet Scholl, Frank Ribéry – ja, die Crème de la Crème. Aber das absolute Highlight war mein Kopfkissen. Da prangte, in überlebensgroßer Pracht, das Gesicht von Oliver Kahn. Und zwar nicht irgendein lächelndes, freundliches Kahn-Gesicht (sofern es das damals gab), sondern das Gesicht, das er machte, wenn er einem Stürmer fast die Kehle durchbeißen wollte, weil dieser es gewagt hatte, auch nur in die Nähe seines Tores zu kommen. Jetzt, wo ich so darüber nachdenke, war das auch die Zeit, in der ich regelmäßig Albträume hatte. Man fragt sich, ob das vielleicht mit dem angsteinflößenden Konterfei von Oliver Kahn auf meinem Kissen zusammenhing? Unwahrscheinlich ist es nicht. Schließlich druckt man auch keine Abbildungen von Freddy Krueger, Pennywise oder Jason auf Kinderbettwäsche, oder? Als ich meinem Freund davon erzählte, lachten wir, bis sein Sohn ins Zimmer kam und fragte: „Papa, wer ist eigentlich Oliver Kahn?“ Mit ernster Miene beugte ich mich zu ihm herunter: „Junge, das willst du gar nicht wissen.“ pa