25. Juli 2026
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Neujahrsvorsätze: Tatort statt Ikebana

Ich gehe mit Frau, Hund und Sohnemann am Scharbeutzer Strand spazieren. Es ist kalt, die Art von Kälte, die die Wangen prickeln lässt, aber immerhin scheint die Sonne. Ihr Licht tanzt auf den kleinen Wellen des Meeres, als hätte jemand Glitzer über die Ostsee gestreut. Während der Hund begeistert seine Nase in jeden zweiten Sandhaufen steckt und unser Sohnemann wild über den Strand flitzt, denke ich an meine Neujahrsvorsätze.
Das neue Jahr wollte ich ganz anders angehen: aktiver, kreativer, geistreicher! Kein stumpfes Abarbeiten von Alltagstrott mehr, kein „Wochentags-Replay“ von Brötchen, Büro und Bett. Meine Frau und ich hatten große Pläne geschmiedet.
Wir wollten zum Beispiel töpfern lernen. Mit unseren eigenen Händen schiefe, aber handgemachte Tassen formen, die wir stolz im Schrank verstauen und niemals benutzen würden. Wir wollten uns am Handlettering versuchen – kunstvoll geschwungene Buchstaben schreiben, für die man spezielle Stifte braucht, die wir natürlich erst hätten kaufen müssen. Und dann war da das Brotbacken: ein echtes Sauerteigbrot aus eigener Herstellung, das in der Theorie nach gemütlicher Landhausküche riecht, in der Praxis aber vermutlich wie ein Backstein geschmeckt hätte.
Das Highlight auf der Liste stellte zweifelsohne Ikebana dar. Wer sich fragen sollte, was zur Hölle das ist: Es handelt sich um die japanische Kunst, Blumen in atemberaubender Perfektion zu arrangieren. Hört sich meditativ an, oder? Ich sah mich schon, wie ich einen Kirschzweig schneide, meine innere Ruhe finde und dabei versehentlich die Vase umwerfe.
Nun, der Kalender zeigt mittlerweile Ende Januar, und was soll ich sagen? Wir haben nichts davon gemacht. Gar nichts. Die Töpferkurse fanden ohne uns statt, die Handlettering-Stifte liegen irgendwo auf meiner Amazon-Wunschliste, und der Sauerteig? Nun, der ist genauso wenig existent wie unser Interesse an Experimenten mit Mehl und Wasser.
Doch hier am Strand, mit dem tanzenden Wasser vor mir und meiner Frau an meiner Seite, merke ich: Das ist völlig in Ordnung. Unser Sohnemann tobt mit dem Hund, wir genießen den Moment – und ich weiß, dass uns heute Abend ein ganz klassischer Sonntag erwartet: Tatort, Chips und Rotwein.
Vielleicht sind Vorsätze gar nicht dazu da, sie alle umzusetzen. Vielleicht dienen sie nur dazu, uns daran zu erinnern, dass unser Leben schon ziemlich gut so ist, wie es ist. pa

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