25. Juli 2026
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Lieber ein Telefon mit Wählscheibe

Früher, bei einer Erkältung, fragte man Dr. Google um Rat. Meist bekam man die beruhigende Antwort: „Alles halb so schlimm – oder ein seltener Virus, der nur in Südostasien vorkommt.“ Heute läuft das anders. Jetzt fragen wir ChatGPT & Co. – und zwar nicht nur bei Husten oder Schnupfen, sondern bei so ziemlich allem. Soll ich das Auto lieber kaufen oder leasen? Welche Serie passt zu meiner Stimmung am Wochenende? Und was soll ich eigentlich zum Abendessen machen, das halbwegs gesund, aber nicht nach Verzicht schmeckt? Mittlerweile schreiben KI-Programme ganze Bewerbungsschreiben, verfassen freundliche E-Mails und übernehmen auf Wunsch sogar die private Whats-App-Kommunikation. Alles klingt dann so wunderbar glatt, höflich und ausgewogen – fast schon zu perfekt. Ein Freund erzählte mir kürzlich, er habe seine KI sogar gefragt, ob er sich von seiner langjährigen Partnerin trennen solle. Ich kann mir lebhaft vorstellen, dass sie ihm nicht nur die Entscheidung erleichtert, sondern auch gleich den Text für das Trennungsgespräch entworfen hat – inklusive Vorschlag für Ort und Zeitpunkt. Wahrscheinlich empfahl sie, das Ganze in einem belebten Restaurant zu führen, damit die emotionale Reaktion sich in Grenzen hält. Ich finde das ehrlich gesagt ziemlich gruselig. Diese allwissenden digitalen Berater nehmen uns nicht nur Arbeit, sondern auch das Denken ab. Man gewöhnt sich schnell daran, alles abzugeben – und merkt irgendwann gar nicht mehr, dass man kaum noch selbst Entscheidungen trifft. Aber es gibt auch eine tröstliche Seite: Die KI scheint sich gerade selbst zu überfordern. In einer Doku sah ich kürzlich, wie das Internet zunehmend mit automatisierten Inhalten zugemüllt wird. KI-generierte Texte, Bilder, Videos – alles schön, alles gleich, alles bedeutungslos. Fachleute sprechen bereits von „Slop“, dem digitalen Müllberg aus KI-Erzeugnissen, der das Netz langsam unbenutzbar macht. Vielleicht führt genau das irgendwann zu einer Gegenbewegung. Vielleicht sehnen sich die Menschen bald wieder nach dem Echten: nach einem Treffen mit der besten Freundin, einem Gespräch mit der Großmutter, einem zufälligen Austausch mit einem Fremden im Zug. Nach Worten, die nicht perfekt sind, sondern einfach ehrlich. Ich jedenfalls habe beschlossen, regelmäßig digital Detox zu betreiben – weniger Internet, weniger Smartphone, mehr echtes Leben. Vielleicht kaufe ich mir sogar ein Telefon mit Wählscheibe. Aber bevor ich das tue, frage ich sicherheitshalber noch einmal ChatGPT: Welches ist das beste? pa

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