Sie sind gelernter Pädagoge, aber bei Ihren kleinen und großen Fans vor allem als Comedian auf YouTube beliebt. Als Sandra, einer „leicht beschränkten“ Schülerin sind Sie Kult. Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Videoclip auf YouTube?
An meinen ersten Videoclip kann ich mich tatsächlich noch sehr gut erinnern. Ich bin auf dem Dorf in Wesselburen groß geworden und dort gab es nach der Schule ehrlich gesagt nicht wahnsinnig viel zu tun. Für Fußball oder ähnliche Sachen konnte ich mich nie so richtig begeistern – mich hat es immer mehr gereizt, Leute zu unterhalten und ein bisschen Comedy zu machen. Also habe ich mir einfach die Kamera meiner Eltern geschnappt, mich ins Auto gesetzt und das Video „Sandra in der Fahrschule“ aufgenommen – obwohl ich damals, glaube ich, noch gar keinen Führerschein hatte. Da ich ziemlich früh auf YouTube unterwegs war, das war 2006, ist das Video dann überraschend schnell ziemlich durch die Decke gegangen.
Welchen Berufswunsch hatten Sie als Kind?
Als Kind wusste ich eigentlich nur eine Sache ganz sicher: Mein Beruf sollte möglichst wenig mit Mathe zu tun haben, weil das für mich immer ein Graus war. Eine Zeit lang wollte ich unbedingt Musical-Darsteller werden, weil ich das faszinierend fand. Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass das ein ziemlich harter Job ist und man ständig von Stadt zu Stadt zieht – und ich bin einfach sehr heimatverbunden und liebe mein Leben in Wesselburen. Deshalb wurde mir später relativ schnell klar, dass ich Erzieher werden möchte. Da konnte ich mit Kindern und Jugendlichen arbeiten – und ein bisschen Entertainer ist man in dem Job ja auch.
Ihre Klickzahlen bei YouTube sind enorm, teils millionenfach. Was macht den Nonsens so attraktiv?
Ich glaube, meine Videos funktionieren vor allem deshalb so gut, weil sie einfach albern sein dürfen. In Deutschland hat Comedy oft den Anspruch, besonders klug, politisch oder mit einer großen Botschaft zu sein. Dabei tut es manchmal einfach gut, wenn etwas nur dafür da ist, dass man lacht. Genau das mögen viele Zuschauer: eine kleine Pause vom Alltag und von all den Nachrichten – einfach kurz abschalten und albern sein.
Sie sind Sozialarbeiter an einer Grundschule. Werden Sie da nicht häufig von den Kindern gefragt, ob Sie nicht in eine „lustigere“ Rolle schlüpfen können?
Ich habe meinen Job an der Grundschule 2015 gekündigt, weil ich gemerkt habe, dass meine größere Leidenschaft doch die Comedy und das Entertainment sind. Die älteren Kinder haben damals schon mitbekommen, was ich im Internet mache, und fanden das natürlich ziemlich cool, dass ihr Erzieher „Fresh Torge“ ist. Besonders auf Klassenfahrten waren sie immer sehr stolz, wenn mich irgendwo jemand erkannt hat. Trotzdem konnte ich das immer gut trennen – in der Schule war ich nicht nur der alberne Typ und das haben die Kinder auch respektiert.
Schulsozialarbeit und YouTube-Star als Comedian: Kommt es nicht zu Stress und Konflikten mit Eltern Ihrer Schüler?
Am Anfang hatte ich tatsächlich ein bisschen Sorge, dass Eltern vielleicht kritisch sehen könnten, was ich im Internet mache – gerade weil meine Videos ja nicht immer komplett jugendfrei sind, was Schimpfwörter angeht. Aber ich kann mich wirklich an keinen einzigen Konflikt erinnern. Die Eltern haben das eigentlich immer gut getrennt: Das eine war mein Privatleben im Internet, das andere mein Job in der Schule. Und das hat überraschend gut funktioniert.
Wie kommen Sie immer wieder auf die verrückten Ideen für Ihre Videoclips?
Die meisten Ideen entstehen tatsächlich, wenn ich einfach Menschen beobachte. Viele Leute sind unfreiwillig unglaublich komisch – mit ihren kleinen Ticks, Eigenarten oder der Art, wie sie Dinge erzählen. Daraus bastle ich dann Figuren und teste die zu Hause vor der Kamera. Die meisten schaffen es allerdings nie ins Internet, weil ich beim Anschauen merke: Das ist eher seltsam als lustig. Aber wenn mich eine Figur selbst zum Lachen bringt, lade ich sie hoch – und zum Glück lachen dann oft auch andere darüber.
Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche: Wals halten Sie davon als Pädagoge und als Comedian?
Das ist eine ziemlich schwierige Frage. Als Vater sehe ich natürlich auch, was online alles passieren kann – Mobbing, Druck, Dinge, mit denen Kinder eigentlich noch gar nicht umgehen können. Im echten Leben versuchen wir unsere Kinder ja auch zu schützen, also warum nicht auch im Internet? Andererseits findet heute ein großer Teil des Lebens und der Freundschaften online statt. Ein komplettes Verbot fühlt sich deshalb auch irgendwie nicht ganz zeitgemäß an. Wahrscheinlich wäre – wie so oft – ein Mittelweg sinnvoll: nicht einfach verbieten, aber deutlich mehr Begleitung und Kontrolle durch die Eltern.
Anfang September erleben Ihre Fans Sie bei „Stars am Strand“ mit Olaf Schubert sowie OTTO & Die Friesenjungs in Timmendorfer Strand. Worauf können sich die Zuschauer freuen?
Darauf freue ich mich wirklich sehr. Es ist eine große Ehre, mit zwei Comedy-Legenden wie OTTO und Olaf Schubert auf der Bühne stehen zu dürfen. Die Zuschauer können sich auf jeden Fall auf eine ordentliche Portion albernen Kram und einige meiner Figuren freuen – einfach ein Abend, an dem man den Alltag mal kurz vergisst und herzlich lachen kann. Und ich kläre gerade noch mit dem Veranstalter, ob ich zum Opening auf einem Elefanten auf die Bühne reiten darf. Da stellt er sich im Moment noch etwas quer – völlig unverständlich, finde ich.
Am 15. Mai 2027 steht Ihre Jubiläumsshow auf dem Kalkberg an. Da kommen Sie noch mal in den Norden nach Bad Segeberg. Verraten Sie uns schon mal einige Highlights.
Das wird für mich auf jeden Fall eines der größten Highlights meiner ganzen YouTube-Zeit. Wir haben schon unglaublich viele Karten verkauft, womit ich ehrlich gesagt gar nicht so gerechnet habe – die Nervosität steigt also jetzt schon ein bisschen. Es wird ein bunter Jubiläumsabend mit vielen meiner Figuren, von Sandra, mit der alles angefangen hat, bis zu Helga und Marianne. Da ist wirklich für Groß und Klein etwas dabei.