Neulich war ich mit zwei Freunden aus Studientagen in Hamburg. Unser Ziel: eine Aquarienmesse. Große Erwartungen hatte ich nicht. Ehrlich gesagt stellte ich mir das Ganze sterbenslangweilig vor: Fische gucken, über Wasserwerte reden und Männer in Funktionswesten, die sich über Filteranlagen austauschen. Aber immerhin würde ich meine Freunde nach langer Zeit wiedersehen. Einer von ihnen hatte zur Hochzeit seines Schwagers ein Aquarium geschenkt bekommen. Zunächst empfand er das als ziemlich übergriffig. Er hatte schließlich nie den Wunsch geäußert, sein Leben der Pflege eines künstlichen Biotops zu widmen. Doch irgendwann freundete er sich damit an. Ein Aquarium war offenbar weniger ein Geschenk als eine langfristige Lebensentscheidung. Die Messe fand in einem Gymnasium statt – und war ziemlich deutsch. Aquarienfreunde, meist in Vereinen organisiert, präsentierten mit großer Hingabe ihr Hobby. Es wurde gefachsimpelt, informiert und verkauft. Vermutlich wurden auch Freundschaften fürs Leben über die optimale Wassertemperatur geschlossen. Und tatsächlich: Es gab einiges zu sehen. Kleine Zierfische, Garnelen in Farben, die selbst der Natur zu bunt geworden sein müssen, dazu Schlangen und Spinnen. Wir besuchten sogar einen Vortrag, bei dem ein Echsenfreund von seinen Expeditionen nach Madagaskar berichtete. Danach wollten wir noch etwas trinken und zogen ins Schanzenviertel. Wir landeten in einer überfüllten Cocktailbar, in der wir drei Männer jenseits der 40 ungefähr so gut hineinpassten wie ein ausgewachsener Wels ins Goldfischglas. Nach ein paar Caipirinhas verschwand zwar das Unwohlsein, der Spaß wollte sich allerdings nicht so recht einstellen. Irgendwann verabschiedete ich mich mit dem Hinweis, den letzten Zug nach Klein-Kleckersdorf erwischen zu müssen. Drei Umstiege und Schienenersatzverkehr später lag ich tatsächlich zeitig im Bett. Am nächsten Morgen, leicht verkatert, aber zufrieden, im eigenen Bett aufzuwachen, musste ich mir eine schmerzhafte Erkenntnis eingestehen: Vielleicht bin ich langsam aus dem Feieralter herausgewachsen. Die Erinnerung an die bunten Garnelen zauberte mir allerdings ein Lächeln ins Gesicht. Als meine Frau das Schlafzimmer betrat, waren meine ersten Worte: „Ich glaube, ich bin jetzt in dem Alter für ein Aquarium.“ pa