Kinder sind schon praktisch. Nicht nur, weil sie einem einen Vorwand liefern, den ganzen Tag Eis zu essen. Sondern auch, weil man als Vater plötzlich wieder völlig legitim Achterbahn fahren darf. Also ging es mit Frau und fünfjährigem Sohn in den Heide Park. Offiziell natürlich wegen des Nachwuchses. Inoffiziell hatte ich mindestens genauso viel Vorfreude wie er. Es war herrlich, ihm dabei zuzusehen, wie er zum ersten Mal Achterbahn fuhr. Dieses vorsichtige Einsteigen, das kurze Zögern – und danach das Grinsen, das gar nicht mehr aus seinem Gesicht verschwinden wollte. Noch größer wurden seine Augen allerdings bei den Bahnen, in die er noch nicht durfte. Riesige Stahlkolosse, die Menschen mit irrem Tempo durch die Gegend schleudern. „Da will ich später auch mal rein!“ Ich nickte tapfer. Denn auch bei mir war das alte Gefühl sofort wieder da: das Kribbeln im Bauch, das langsame Hochziehen, der Moment kurz vor dem ersten Absturz. Fast wie früher. Fast. Irgendwann zwischen Steuererklärung und Rückenschmerzen scheint sich nämlich eine Portion Vernunft eingeschlichen zu haben. Vor dem gut 70 Meter hohen Freefall Tower oder Europas schnellster Holzachterbahn dachte ich nicht mehr: „Wie geil!“, sondern eher: „Ist das wirklich alles TÜV-geprüft?“ Zum Glück liefert mein Sohn die perfekte Ausrede gleich mit. Mit fünf Jahren und 116 Zentimetern darf er in die ganz großen Bahnen noch nicht hinein. Also verzichte ich selbstverständlich solidarisch. Man muss als Vater schließlich mit gutem Beispiel vorangehen. Blöd ist nur: Kinder wachsen. In ein paar Jahren wird mein Sohn groß genug sein und erwartungsvoll
fragen: „Papa, kommst du mit?“ Bis dahin sollte ich mir dringend eine neue Ausrede überlegen. Rücken. Kreislauf. Oder einfach die Wahrheit: Früher war ich mutiger. pa