Ich habe sturmfrei. Eine ganze Woche lang! Meine Lebensgefährtin und der Lütte sind mit Oma und Opa für eine Woche nach Dänemark gefahren. Im Vorfeld habe ich mir ausgemalt, was ich alles unternehmen könnte. Eine ausgedehnte Fahrradtour, oder vielleicht doch lieber das olle Moped reparieren und damit die Strandküste auf und ab fahren? Ich könnte auch mal wieder alleine Urlaub machen. Einfach kurzentschlossen die Rabattaktionen der Bahn checken und Sightseeing machen in einem unserer Nachbarländer. Welche bisher unentdeckten Schätze lassen sich wohl in Amsterdam, Wien oder Prag entdecken? Vielleicht würde ich auch anfangen, aus dem längst gekauften Holz unsere neue Terrasse zu zimmern. Oder, oder, oder…
Nun nähert sich das Ende meines Strohwitwer-Daseins. Morgen kommen Frau und Kind wieder. Doch was habe ich mit meiner Zeit angestellt? Fahrrad und Moped stehen unangetastet und von Spinnenweben überzogen im Schuppen. Mit der Bahn bin ich auch nicht verreist. Das Holz für die Terrasse liegt noch genau da, wo ich es vor gut einer Woche abgelegt habe. Stattdessen habe ich mich zu Tode gelangweilt. Ich habe gefühlt jede neue Serie auf Netflix verschlungen (die werden auch immer blöder) und zum ersten Mal seit zig Jahren mal wieder meine alte Nintendo-Konsole angeschlossen. Das ist auf einem Flachbildschirm irgendwie nicht dasselbe wie auf der guten alten Röhre und so ganz alleine macht zocken auch keinen Spaß. Blöderweise sind alle meine Freunde gerade dermaßen ihrem Nachwuchs verhaftet, dass die Anbahnung eines Treffens zu einem höchst bürokratischen Akt ausartet. Morgen nun kommen Sohn und Lebensgefährtin wieder und das Haus sieht aus wie nach einem Bombeneinschlag. In der Spüle sammeln sich verkrustete Teller und Töpfe und überall im Haus kann man vom Boden essen. Nicht, weil es so sauber ist, sondern weil sich in jedem Zimmer die Hinterlassenschaften meiner Chips-Orgien finden. Wohl oder übel werde ich das Chaos noch notdürftig beseitigen. Ein paar Blümchen werden dafür sorgen, dass meine bessere Hälfte nach der Rückkehr nicht so akribisch in jede Ecke schauen wird. Aber was sage ich ihr, wenn sie fragt, wie ich die Zeit genutzt habe? Dass mir die Struktur, die sie in mein Leben bringt, gut tut? Niemals! Mir wird schon noch was einfallen. Aber erst einmal mache ich es mir auf der Couch bequem und schaue mir das Finale meiner gestern begonnen Netflix-Serie an. Die Chips stehen schon bereit. pa