25. Juli 2026
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Tschüss Apfelbaum, Hallo Fußball-Nationalmannschaft!

Sonntagvormittag auf einem Sportplatz irgendwo in Ostholstein. Das Bier in der einen Hand, die Bratwurst in der anderen lehne ich an der Bande und verfolge das Fußballspiel meines zwölfjährigen Sohnes. Zu Anfang der zweiten Halbzeit steht es bereits 3:0 für das gegnerische Team. Mit einem technisch perfekten Übersteiger, der Lionel Messi selbst zu seinen Glanzzeiten zur Ehre gereicht hätte, lässt der flinke Mittelstürmer meinen Filius ins Leere laufen und schiebt die Kugel lässig ins lange Eck. 4:0. Der Torschütze dreht jubelnd ab und formt mit seinen Händen ein Herz, mit dem er den spärlichen Gästeanhang würdigt. „Ganz stark, Bjarne. Weiter Druck machen!“, ruft mein Bandennachbar dem Mini-Messi in einer Lautstärke zu, die mein Trommelfell vor eine echte Zerreißprobe stellt. Dann wendet sich der wohlgenährte Herr in den 40ern mir zu: „Das ist meiner. Bjarne wurde in der letzten Saison schon zum DFB-Stützpunkt eingeladen“, teilt er mir ebenso stolz wie ungefragt mit.
Zehn Minuten später markiert die künftige Hoffnung unserer deutschen Elf den fünften Treffer und wieder sieht mein Sohnemann dabei nicht gut aus.

Der Dickwanst zu meiner Linken prahlt: „Das hat er alles von mir gelernt. Wir haben extra vier Bäume im Garten gefällt, um Tore im Garten aufzustellen. Da machen wir jeden Tag, Pass- und Schusstraining.“ Es fallen weitere Treffer und mein Nachbar kommt jetzt so richtig in Redelaune. „Ich habe ja früher selbst hoch gespielt, mir dann aber ganz blöd das Knie verdreht.“ Nun soll der Nachwuchs offenbar das erreichen, was dem Vater verwehrt blieb. Ich nicke freundlich und lasse mir nicht anmerken, dass mich übertriebener sportlicher Ehrgeiz schon immer ein wenig befremdet hat. So wurden meine Auftritte bei Bundesjugendspielen in aller Regel mit einer Teilnehmerurkunde quittiert. Dann ertönt der Schlusspfiff. Mini-Messi ballt triumphierend die Faust und schaut zu seinem lächelnden Vater herüber. Mein Sohn lächelt nicht. Mit gesenktem Kopf trottet er vom Platz, ohne mich eines Blickes zu würdigen. Das Geschenk der Gleichmut hat er offenbar nicht von seinem Vater geerbt. Und während der Lütte in der Kabine verschwindet, denke ich darüber nach, wie ich meiner Frau vermitteln kann, dass ihr geliebter Apfelbaum demnächst einem kleinen Fußballplatz weichen muss. pa

© Illustration: mast3r / depositphotos.com

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