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Die Freuden des Hausarrests

©stetsik - depositphotos.com

Während ich diese Zeilen schreibe, hätte ich eigentlich mit meiner Frau und einem gut gekühlten Bier in der Hand die Sonne Gran Canarias genießen sollen. Aus bekanntem Anlass ist daraus nichts geworden. Nun genieße ich Sonne und Gerstensaft halt im heimischen Garten – und vermisse nichts. Die soziale Isolation der letzten Wochen hat mir Gelegenheit gegeben, mich intensiver mit dem Hier und Jetzt auseinanderzusetzen. Ein Augenschmaus, was in dem von meiner besseren Hälfte gepflegten Kleinod so alles wächst und gedeiht. Ein Fest für die Ohren, was in den Bäumen und Sträuchern so alles pfeift, zwitschert und tiriliert. So wie mir scheint es auch vielen anderen Menschen zu gehen. Man lernt, sich wieder über das Alltägliche zu freuen. Das kann ein ausgedehnter Waldspaziergang, ein gutes Buch oder einfach das intensive Blau des kondensstreifenfreien Himmels sein. Auch wenn die leergefegten Klopapierregale in den Supermärkten nicht darauf schließen lassen, hat sich auch im zwischenmenschlichen Bereich eine positive (kein Wortspiel!) Entwicklung in Gang gesetzt. Belastbare Statistiken gibt es dazu eher nicht, dennoch dürften die „Hallo Oma, wie geht’s dir“-Anrufe binnen kürzester Zeit in ungeahnte Dimensionen geschnellt sein. Und auch diverse nette Gespräche mit dem Nachbarn, dem es hinter seiner Hecke genauso geht wie einem selbst, sind das Resultat des aktuellen Hausarrestes. Unverbesserliche Optimisten beschwören gar einen Wertewandel herauf oder schlussfolgern aus vereinzelten Meldungen, dass sich die Natur in Windeseile erholt. So will manch einer gar Delfine erblickt haben, die durch das Ausbleiben des touristischen Schiffsverkehrs plötzlich durch Venedigs glasklare Kanäle schwimmen. Das ist natürlich Quatsch – ein schönes Bild ist es allemal. Dass sich das Leben nach Beendigung der Corona bedingten Sicherheitsmaßnahmen von Grund auf ändert, dürfte eher nicht zu erwarten sein, aber vielleicht erkennt der eine oder andere, wie schön er es hier hat. Ich könnte jedenfalls auf einiges verzichten, ohne an Lebensqualität einzubüßen. Nur beim Klopapier lasse ich nicht mit mir reden – auch wenn die linke Hand dieser Aufgabe ebenso gewachsen sein soll. Da bin ich wohl eher traditionell. pa

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