Ich fand schon immer: Hunde sind liebenswerter, loyaler und überhaupt viel toller als Katzen. Leider sieht meine Freundin das ein wenig anders. Irgendwie scheint sie es einfach nicht zu merken, dass die Zuneigung zu ihrem garstigen Stubentiger namens Emmi eine reine Einbahnstraße ist.
„Miau“, ich hab Hunger. „Miau“, lass mich raus. Die feine Katzendame meldet sich nur, wenn sie Ansprüche anmelden möchte. Meine Beziehung zu unserem Fiete, einem treuen Labrador mit dem Herz am rechten Fleck, ist dagegen von bereichernder Gegenseitigkeit geprägt. Das edle Tier wedelt mit dem Schwanz, wenn ich nach einem harten Arbeitstag nach Hause komme und merkt, wenn es mir mal nicht so gut geht. Eine Studie aus Japan hat nun untersucht, was in den Körpern von Hunden und ihren Herrchen beziehungsweise Frauchen passiert, wenn sich beide tief in die Augen blicken. Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass der menschliche Körper dabei das als „Kuschelhormon“ bezeichnete Oxytocin in Liebesrausch-ähnlichen Mengen produziert. Und auch in den Körpern der Hunde ließ sich im Gegensatz zu anderen Haustieren ein deutlicher Anstieg des Oxytocin-Spiegels belegen. Hunde sind also zu echter Liebe fähig, Katzen nicht! Aus Japan kommt übrigens auch Hachiko. Der Akita-Hund holte im Tokio der 1920er Jahre sein Herrchen jeden Tag zur selben Zeit vom Bahnhof ab. Und auch als der Universitäts-Professor das Zeitliche segnete, kehrte der Hund weiterhin Tag für Tag zum Bahnhof zurück, zehn Jahre lang. Eine Katze hätte sich vermutlich nach 24-stündigem Nahrungsentzug den nächstbesten Dosenöffner gesucht. Oft schon habe ich erfolglos versucht, meine Freundin mit derartigen Beispielen zu bekehren. Während mich die unerschütterliche Treue rührt, tut sie das Verhalten als rückgratlose Anbiederung ab und behauptet doch tatsächlich: „Katzen haben halt ihren eigenen Kopf.“ So kann man sich die Illoyalität der gemeinem Hauskatze auch schön reden. Jeder kriegt anscheinend das Haustier, das er verdient.
pa
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