Lübeck. Die Petrivision, die nächtliche Performance-Reihe in St. Petri zu kulturellen, wissenschaftlichen und religiösen Themen, geht ins 25. Jahr. Was als vollkommen neues Veranstaltungsformat im Jahr 2000 mit einer Reihe über „Anfänge“ begann, hat im Wandel der Zeit trotz der ungewöhnlichen Stunde, sonnabends um 23 Uhr, an Attraktivität nichts eingebüßt und erreicht bis heute ein großes Publikum. Ein ursprünglich schlichtes Programm mit Reden und Musik ist zu einer aufwendigen Inszenierung mit szenischen Lesungen, Installationen und interaktiven Überraschungen gewachsen. Der Arbeitsgruppe der Petrivisionen war es in ihrer Themenwahl stets wichtig, auf der Höhe der Zeit, auch in Hinsicht auf politische Ereignisse, zu sein. So hat das Team um die Regisseurin Sigrid Dettlof, Pastor Dr. Bernd Schwarze und Pastorin Lilly Schaack das Motto „Realitäten“ für die Jubiläumsreihe ausgewählt, um der Debatte um aktuelle gesellschaftliche Spannungen Raum zu geben.
Die neue Reihe beginnt am Sonnabend, dem 1. März, um 23 Uhr, mit einem Abend unter der Überschrift „wahr_falsch“. Die Wahrheit als zentraler Begriff des philosophischen Denkens soll dabei auf seinen gegenwärtigen Gehalt hin überprüft werden. Wie verhalten sich objektive Fakten und subjektive Wahrnehmung zueinander? Gibt es „alternative facts“? Sind Lügen in der Politik und im öffentlichen Leben zu lässlichen Sünden geworden? Erzählen religiöse Mythen von der Wahrheit, oder führen sie Menschen in die Irre?
Am Sonnabend, dem 5. April, um 23 Uhr, lautet die Überschrift des Abends: „gesund_krank“. Gesundheit gilt als hohes Gut und hat in den gesellschaftlichen Diskursen an Bedeutung gewonnen. Aber was genau heißt es, gesund zu sein, und wer definiert Gesundheit? Ist Krankheit ein Makel, eine Störung, die behoben werden muss? Bedeuten die Trends zur Fitness und Selbstoptimierung, dass ein Leben in Krankheit weniger wert ist? Fragen wie diese werden in fachlichen Statements und künstlerischen Beiträgen thematisiert.
An den weiteren Abenden der Reihe bis zum Ende des Jahres werden dann weitere Begriffspaare thematisiert, die in Spannung zueinander stehen. Am 3. Mai wird das Verständnis von Armut und Reichtum diskutiert, es folgen unter anderem Abende über „männlich_weiblich“, „alt_jung“, „analog_digital“ und „geistig_materiell“.
