25. Juli 2026
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Musikhochschule Hansestadt Lübeck

In einer lockeren Reihe stellen wir Ihnen junge Nachwuchskünstlerinnen und -künstler der Musikhochschule Lübeck (MHL) vor. Dieses Mal geht es um Philipp Wallis Nicolai, der sich der Komposition verschrieben hat. Alina Gand, die ihr FSJ in der Pressestelle der MHL macht, hat sich mit dem jungen Komponisten über seine Ausbildung unterhalten. Haben Sie sich schon einmal Gedanken über das Komponieren gemacht? Zwar sind wir ständig von Musik umgeben – egal, ob von Songs aus dem Radio oder von Hintergrundmusik in Film, Fernsehen oder Werbung – doch den meisten von uns ist nicht bewusst, dass hinter all diesen Melodien Kompositionen stecken. Wussten Sie zum Beispiel, dass auch Warteschleifenmusik oder Klingeltöne von jemanden komponiert werden?

Hinter diesem Berufsbild steckt aber noch viel mehr. Komponistinnen und Komponisten erschaffen Musik ganz verschiedener Gattungen: zum Beispiel Lieder, Opern, Sinfonien oder Chormusik. Dafür gibt es viele berühmte Beispiele aus der Musikgeschichte, doch auch junge Künstler wie Philipp Wallis Nicolai widmet sich der Komposition. Der junge Künstler begann Stücke aufzuschreiben, nachdem er auf der Gitarre improvisiert hatte, da war er vierzehn Jahre alt. Seit Oktober 2021 studiert er an der Musikhochschule Lübeck (MHL) in der Klasse der renommierten Komponistin und Professorin Katharina Rosenberger. Der 26-Jährige hat bereits einen Bachelor in Physik in der Tasche, doch in seinem fünften Semester wurde ihm klar, dass er sich kein Leben ohne das Komponieren vorstellen kann. Nach der erfolgreichen Aufnahmeprüfung an der MHL begann er daher sein Masterstudium „Komposition“ in Lübeck. Aktuell ist er der Gewinner des hochschulinternen Orchesterwettbewerbs der MHL und durfte sich im Mai über die Uraufführung seines Werkes „THAW“ beim hochschuleigenen Brahms-Festival unter Leitung des renommierten Münchener Dirigenten Clemens Schuldt freuen.

Eine Uraufführung mit großem Orchester noch während des Studiums ist ein besonderer Meilenstein für einen Komponisten. „Die Herausforderung für mich in den Proben war es, meine Klangvorstellung konkret an das Orchester und den Dirigenten zu kommunizieren, da es bisher keine Aufnahmen als Referenzen gibt“, erzählt Phillip rückblickend. „Und ich musste manchmal spontan reagieren, weil die Vorstellung von einem komplexen Werk mit so vielen Musizierenden nie perfekt ist.“ Wenn Philipp komponiert, verarbeitet er Details, die ihm in seinem Leben begegnen. Zu „THAW“ hat ihn ein Buch über das Auftauen des Permafrost-Eises inspiriert. Als er dann irgendwo das Wort „thaw“ (dt.: tauen) gelesen hat und an dessen Klang hängenblieb, entstand die Idee zu dem Stück. „‚to thaw‘ beschreibt den auftauenden Prozess des Eises: In einer gefrorenen, leeren Landschaft tauchen Formen und Strukturen auf, die zuvor im Eis konserviert waren“, erklärt Philipp. Aber was macht das Stück so besonders? „Die luftige, geräuschhafte Atmosphäre zu Beginn, die am Schluss auf eine verwandelte Art wiederkehrt, und die Art, wie sich Harmonien und melodische Fragmente aus dieser Atmosphäre herauskristallisieren und wieder in ihr versinken“, antwortet der Komponist. Philipps Ziel ist es, durch die Musik eine Verbindung zwischen den Menschen auf der Bühne und im Publikum zu schaffen: Im Idealfall stoßen die Klänge auf Resonanz im Zuhörenden und erzeugen eine körperliche und emotionale Erfahrung. Er ist sich sicher: „Diese direkte Verbindung wäre mit Worten nicht möglich.“

Allen, die selbst etwas komponieren möchten, rät er, einfach loszulegen und den eigenen Interessen zu folgen. „Ich selbst komponiere am liebsten in Ruhe an einem aufgeräumten Schreibtisch mit einer Tasse Kaffee oder Tee oder fange draußen mit meinem Aufnahmegerät Klänge ein. Mich inspiriert vor allem andere Kunst, andere Musik, Bücher und Filme.“ Weitere Infos unter www.mh-luebeck.de.

© Foto: Yaojin Zhang

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