25. Juli 2026
Anzeige
Anzeige

Aktuelle Beiträge

Interview – Im Gespräch mit Bettina Tietjen

Seit 1993 ist sie die Gastgeberin auf dem Roten Sofa der
Sendung „DAS!“ und interviewt dort die unterschiedlichsten Gäste. Bei „Tietjen campt“ besucht sie verschiedene Orte und trifft auf verschiedene Menschen. Wir haben einen Perspektivwechsel gewagt und der Moderatorin und Buchautorin einige Fragen gestellt. Unter anderem verriet sie uns dabei, warum sie am 28. Oktober Timmendorfer Strand besucht

Hallo Frau Tietjen! Als Moderatorin beschäftigen Sie sich sehr viel damit, den Menschen Fragen zu stellen. Was treibt Ihre Neugier an?

Ich habe mich schon immer für andere Menschen interessiert, auch privat. Jeder Mensch hat Geschichten zu erzählen, man muss sie nur herauskitzeln. Wenn man offen und vorurteilsfrei auf eine Person zugeht, fühlt sie sich wertgeschätzt und öffnet sich. Sich mit anderen auszutauschen, bereichert das Leben. Diese Neugier auf meine Mitmenschen hab ich übrigens von meiner Mutter geerbt. Wenn man mit ihr zum Einkaufen in die Stadt fuhr, hatte der Bus Verspätung, weil sie schon den Busfahrer in ein persönliches Gespräch verwickelte.

Welcher Talkgast ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Das ist nach tausenden von Gästen, die ich bereits befragt habe, schwer zu sagen. Aber natürlich bleiben historische Begegnungen wie die mit Peter Ustinov, Michail Gorbatschow, Roger Moore oder auch mit Loki Schmidt und Hildegard Knef besonders im Gedächtnis. Keiner dieser Menschen war übrigens eingebildet oder kompliziert, das ist meistens bei denjenigen der Fall, die noch nicht viel geleistet haben, sich aber schon für einen Star halten.

In Ihrem Job muss man eine besondere Affinität zur Sprache haben. Warum mögen Sie das Instrument „Sprache“ so sehr?

In meinem Elternhaus wurde viel geredet, wir hatten keinen Fernseher, stattdessen wurde am Küchentisch diskutiert. Außerdem habe ich schon immer gern und viel gelesen und auch geschrieben, das sieht man ja an meinen Tagebüchern. Kommunikation funktioniert nun mal hauptsächlich über Sprache – und je besser man dieses Instrument beherrscht, desto leichter kann man andere erreichen.

Sie gelten als passionierte Camperin. Warum würden Sie dem Camper
gegenüber einem All-In-Hotel jederzeit vorziehen?

Weil man viel flexibler und unabhängiger ist. Wir können jederzeit weiterfahren und jeden Tag neu entscheiden, wohin die Reise gehen soll. Ich lasse mich gern auch mal für ein paar Tage in einem tollen Hotel verwöhnen, aber für die Dauer eines ganzen Urlaubs wäre mir das zu langweilig. Ein 5-Gänge-Menu kann für mich ein Picknick am einsamen Strand mit Blick auf den Sonnenuntergang nicht ersetzen.

Wir genießen gerade die Facetten des goldenen Oktobers. Was assoziieren Sie mit diesem Monat?

Bunte Wälder, Kastanien, herumschwebende Spinnenfäden. Später dann leider auch Sturm und Regen – dem entfliehen wir gern, indem wir im Oktober ein letztes Mal in den Campingurlaub fahren, ins warme Südfrankreich…

In Ihrem aktuellen Buch „Früher war ich auch mal jung“ zitieren Sie Ihre Tante mit den Worten: „Im Inneren bleibt man 20“. Wie alt sind Sie innerlich?

Mein inneres Alter mache ich nicht an einer Zahl fest, sondern an meiner Verfassung. Wenn ich gesund, gutgelaunt und ausgeschlafen bin – und das ist meistens der Fall – fühle ich mich jung, frisch und lebenhungrig. Es gibt aber auch Tage, an denen ich erschöpft und gestresst bin, dann sieht mich im Spiegel eine müde alte Frau an.

Das Buch beschäftigt sich mit Ihren früheren Tagebuchaufzeichnungen. Haben Sie beim erneuten Durchlesen Ihrer Tagebücher einen roten Faden erkennen können?

Ja, der rote Faden ist eindeutig die Suche nach der großen Liebe. Die Sorge, mir könnte nie der richtige Mann begegnen, hat mich schon mit 14 Jahren beschäftigt, und mit 24 noch viel mehr. Die Sehnsucht war mein ständiger Begleiter. Dass ich meine große Liebe dann irgendwann getroffen habe, hat sicher damit zu tun, dass ich mich selbst gefunden habe.

Am 28. Oktober können die Gäste der Timmendorfer Trinkkurhalle einer
Lesung aus eben diesem Buch lauschen. Wonach wählen Sie die dort vorgelesenen Passagen aus?

Ich lese die Passagen vor, die ich selbst besonders gern mag. Dabei achte ich darauf, dass sich lustige Abschnitte mit nachdenklicheren abwechseln. Es soll bei so einer Lesung zugehen wie im Leben: mal Höhen, mal Tiefen. Übrigens lese ich nicht nur, sondern ich erzähle auch viele Geschichten und Anekdoten – da improvisiere ich immer, je nach Reaktion des Publikums.

Seitdem Ihr Vater an Demenz erkrankt ist, haben Sie die Scheu vor dieser Krankheit verloren. Warum?

Weil ich gemerkt habe, dass die Demenz am schlimmsten für die Angehörigen ist. Die Betroffenen – und das war nicht nur bei meinem Vater so – erreichen irgendwann eine Zustand fast kindlicher Fröhlichkeit. Sie sind sehr emotional und können sich an den kleinen, schlichten Dingen des Lebens wieder erfreuen, die man sonst gar nicht mehr so wahrnimmt. Ein Lied, ein Sonnenstrahl im Gesicht, ein leckeres Stück Kuchen reichen manchmal schon zum Glücklichsein. Das hat etwas Tröstliches.

Welches Wort hat Ihrer Meinung nach mehr Gewicht? Das gesprochene oder das geschriebene Wort?

Mal so, mal so. Das gesprochene Wort hat oft mehr Wucht, mehr Pathos und kann dadurch starke Emotionen auslösen. Aber was schwarz auf weiß geschrieben steht, ist nachhaltiger, weil es bleibt und nicht so verfliegt wie etwas schnell Dahergesagtes.

Wir sagen „Danke“ für den netten Talk und wünschen Ihnen alles Gute!
Bleiben Sie gesund.

© Foto: Sebastian Fuchs

Latest Posts

Anzeige

Newsletter Abonnieren

Direkt – kompakt – informativ! Unser Magazin-Newsletter.

Ja, ich möchte den regelmäßigen Newsletter des Magazins Lübecker Bucht erhalten und mich über aktuelle Produkte und Aktionen informieren. Eine Abmeldung vom Newsletter ist jederzeit kostenlos möglich. Weitere Informationen findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Interessant