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Sonderausstellung – Vertrieben – Verloren – Verteilt

© Fotoarchiv der Hansestadt Lübeck und Vintage Germany

Eine Sonderausstellung im Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk beschäftigt sich unter dem Titel „Vertrieben – Verloren – Verteilt“ – Drehscheibe Pöppendorf 1945 – 1951 mit dem dortigen Flüchtlingslager. Eröffnet wird die Sonderschau am 28. Oktober.

Im Waldhusener Forst, zwischen dem alten Bahnhof Kücknitz und Pöppendorf in der Gemarkung Waldhusen-Pöppendorf, befand sich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges das größte Flüchtlingsdurchgangslager Norddeutschlands. Zwischen Ende 1945 und Anfang 1951 fanden hier mehr als eine halbe Million Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten Aufnahme.

Errichtet wurde das Lager auf Anweisung der Britischen Militärregierung, die den Ort zunächst seit Juli 1945 als Entlassungslager für die fast 80.000 Wehrmachtangehörigen der deutschen Norwegen-Armee eingerichtet hatten. Die ersten Vertriebenen trafen im November des Jahres ein. Dieser stille Ort im Wald war damals eine Drehscheibe für die Verschiebung riesiger Menschenmengen aus Danzig, Königsberg oder Stettin in den gesamten norddeutschen Raum. Es war eine gewaltige logistische Leistung, diese Menschen zu versorgen und an einen sicheren Bestimmungsort weiterzuleiten. Über die Aufnahme der Flüchtlinge und Vertriebenen aus dem Osten hinaus wurde hier der Transport zehntausender Menschen von einer Besatzungszone in die andere organisiert. Durch die Auswirkungen des Krieges befanden sich Millionen Deutscher nicht mehr an ihrem Wohnort, die Suche nach Angehörigen bestimmte ihren Alltag. Im Frühjahr 1947 waren die Aufnahmekapazitäten in den Städten und Kreisen Schleswig-Holsteins erschöpft und die nun eintreffenden Flüchtlinge verblieben teilweise Wochen und Monate lang im Lager.

Im Herbst des gleichen Jahres wurden hier schließlich im Rahmen der „Operation Oasis“ tausende jüdische Flüchtlinge der „Exodus“ untergebracht. Das Lager wurde danach noch bis zum Sommer 1950 als Wohn- und Durchgangslager genutzt. Im Frühjahr 1951 wurde das Lager schließlich aufgelöst und abgerissen. Eröffnet wird die Sonderschau am 28. Oktober um 11 Uhr. Öffentliche Führungen werden jeweils sonntags um 11 Uhr (11.11.2018, 13.01., 10.02., 10.03. und 14.04.2019) angeboten. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Ausstellung begleitet ein umfangreiches Rahmenprogramm. Im Rahmen der Ausstellung findet die ständige Begleitaktion „750.000 Ost-West-Wanderer“ statt: die Erstellung einer Museumszeitung von allen für alle. Anhand von Themen und Fotos aus der Ausstellung können individuell einzelne Zeitungsseiten zusammengestellt werden. Diese werden dann im Museum für alle sichtbar ausgestellt und ergeben persönliche Sicht- weisen und Bewertungen von Flucht und Vertreibung von gestern und heute. Ein weiteres Angebot steht unter dem Titel „Mit Sack und Pack“: Schnell musste damals das für die Flucht Notwendigste zusammengerafft werden. Die Habseligkeiten mussten in Rucksäcke passen und durften nicht zu schwer sein. In den Workshops werden solche Rucksäcke vor Ort im Schnellverfahren genäht – einfach und dennoch stabil. Dann soll aus den vielen bereitliegenden Gegenständen das eingepackt werden, was jedem Teilnehmer wichtig ist. Die Rucksäcke können zum Schluss mit nach Hause genommen werden. Beginn jeweils sonntags 14 Uhr (18.11.2018, 20.01., 17.02. und 17.03.2019. Eine Anmeldung ist erforderlich bei Helga Martens, Telefon 0451 74894 (AB) oder helga.martens@travedsl.de. Die Sonderschau endet am 28. April 2019.

© Fotoarchiv der Hansestadt Lübeck und Vintage Germany

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