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Pflanzentipp: Die Lilie

Text/Foto: Wolfgang Assmann

Kulturgeschichtlich steckt die Lilie voller Symbolik. In der griechischen Mythologie wird die Entstehung der Lilie der Göttin Hera zugeschrieben. Als Hera den Säugling Herakles stillte, fielen Tropfen von Muttermilch aus ihren Brüsten auf die Erde, aus denen die ersten Lilien wuchsen. Die Liebesgöttin Aphrodite jedoch soll sich über die Schönheit der Blüte so sehr geärgert haben, dass sie angeblich aus Boshaftigkeit den Phallus eines Esels als gelben Stempel in die Blüte einsetzte. In der christlichen Mythologie wie in der Kunst symbolisiert die weiße Lilie Jungfräulichkeit, Reinheit und Unschuld, auf der anderen Seite steht sie aber auch für Vergänglichkeit.

Seit Menschengedenken gehört die Lilie zu den Pflanzen, die uns mit ihrer Blütenpracht und ihrem Duft erfreut. Ihr gerader, eleganter Stiel und die grazil, spitz zulaufenden Blüten verleihen ihr eine Ausstrahlung von majestätischer Schönheit und macht sie somit zu den Aristokraten unter den Zwiebelblühern. Im Mittelalter erlangte sie als nationales Symbol eine besondere Bedeutung und Königshäuser führten sie in ihrem Wappen. Wegen dieser symbolischen Bedeutung kam es sogar zum Krieg zwischen Frankreich und England, als Edward III. seinem Wappen drei Lilien hinzufügte, um damit seinen Erbanspruch auf Frankreich zu unterstreichen.

Es gibt über hundert Arten und noch viel mehr Züchtungen von Lilien. Ihr evolutionärer Ursprung liegt im Himalaya. Die asiatischen Länder China, Japan und Korea gelten als Heimat der Lilien-Gattungen. Daher tragen zwei von vier Hauptgattungen der Lilien, die Asiatische Hybriden und die Orientalische Hybriden ihren Namen. Asiatische Lilien sind sehr gut an europäische Klimabedingungen angepasst und für die Pflanzung in unseren Gärten besonders gut geeignet. Blütezeit von Lilien ist von Mai bis September. Beginnend mit den Taglilien im Mai, folgt dann die Martagonlilie, auch Türkenbundlilie genannt. Im Juli blühen Königslilie und Feuerlilie. Der Gigant unter den Lilien, die Baumlilie, blüht bis in den August hinein, kann je nach Sorte, bis zu 2 Meter groß werden und setzt mit 30 Zentimeter großen Blüten besondere, extravagante Akzente im Garten. Lilien sind vielseitig in Bezug auf Größe, Form und Farbe. Sie bilden stern-, schalen- und becherförmig Blüten, die mal aufrecht stehen, mal seitlich hängen. Es gibt sie in den Farben orange, weiß, rosa oder gelb. Mit ihrer faszinierenden Blütenpracht und ihrer exotischen Schönheit erfreuen sie nicht nur das Auge, sondern verströmen auch einen herrlichen, betörenden und angenehmen Duft.
Pflanzzeit für Lilien kann sowohl der Herbst als auch das Frühjahr sein. Ausnahmen bilden die Madonnenlilie und die Türkenbundlilie, die im Spätsommer gesetzt werden sollen. Für die Lilie wäre ein Standort optimal, an dem der Fuß im Schatten, die Blüte jedoch in der Sonne steht. Flach wachsende Stauden und schattenspendende Bodendecker, die feine Akzente setzen, stellen eine gute Kombination dar.
Für ihr gutes Gedeihen über Jahre hinweg ist für die meisten Lilienarten ein mäßig feuchter, humusreicher, leicht saurer und gelockerter, durchlässiger Boden Voraussetzung. Ausnahmen bilden die Türkenbundlilien und die Madonnenlilien, die leicht kalkhaltigen Boden bevorzugen. Alle Lilienzwiebeln vertragen jedoch keine Staunässe.

Die Pflanztiefe der Zwiebel richtet sich nach ihrer Höhe. Es gilt die alte Regel für Zwiebelblüher, dass die Zwiebel zwei- bis dreimal so tief gepflanzt wird wie sie hoch ist. Bei vermehrtem Auftreten von Wühlmäusen, empfiehlt es sich, die Zwiebel in Drahtkörbe zu pflanzen.
Auch das Lilienhähnchen, ein leuchtend roter kleiner Käfer, liebt den Geschmack der Lilienblätter und macht ihnen häufig zu schaffen. Insbesondere die Larven des Käfers richten große Schäden an den Pflanzen an. Sie befinden sich meist an den Blattunterseiten und sind im Gegensatz zu den roten Käfern nicht so leicht zu erkennen. Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, wird empfohlen, die Pflanzen ab Mai regelmäßig zu untersuchen und Käfer sowie Larven abzusammeln. Ein weiteres kleines Insekt, welches die Lilienknospe befallen kann, ist die Lilienminierfliege. Diese legt ihre Eier in die Knospe der Lilie, aus denen dann Larven schlüpfen, die die Knospe vernichten. Befallene und eingetrocknete Knospen absammeln und in der Restmülltonne entsorgen, um den Kreislauf der Vermehrung der Minierfliege zu unterbrechen.
Gedüngt wird im Frühjahr, am besten mit organischem Volldünger, der nicht zu viel Stickstoff enthalten sollte. Verblühtes entfernen, damit die Pflanze ihre Kraft in die Zwiebel und nicht in die Samenbildung steckt. Die Blätter erst dann knapp über dem Boden abschneiden, wenn sie welk sind. Lilien sind auch gut für die Vase geeignet und können bis zu zwei Wochen halten. Geschnitten wird kurz vor dem Aufblühen, wenn die Knospen schon eine farbliche Ausprägung haben, am besten in den Morgen- oder Abendstunden.

Text/Foto: Wolfgang Assmann

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