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Männer – Schatz, wo ist meine Hose?

© Foto: Maik Dörfert / Fotolia

Zugegeben, ein wenig tüttelig ist mein Opa mit seinen inzwischen 90 Jahren geworden. Dass er seine bessere Hälfte gefühlt alle zehn Minuten fragt, wo sich denn Socken, Hemd und Hose befänden und ob er dies oder jenes so oder doch lieber so machen solle, ist dabei allerdings nur die logische Konsequenz eines langen Prozesses der Entselbstständigung.

Schuld daran sind natürlich die Frauen. Erste Parallelen zu meinem Opa kann ich seit einiger Zeit bei mir selbst entdecken. Vor einem halben Jahr ist meine Freundin mit Sack und Pack in meine einstige Junggesellenbude eingezogen und Dinge, deren Erledigung mir früher ein Graus waren, lösen sich plötzlich in Wohlgefallen auf. Hat sich das verkrustete Geschirr in der Spüle nach ein bis zwei Tagen auch noch so hoch aufgetürmt, wenn ich von der Arbeit komme, glänzt alles wie in einer Werbung für Spülmittel. Das überall auf dem Boden verteilte Katzenstreu findet scheinbar ganz alleine seinen Weg in den Staubsauger und die dreckigen Klamotten, die Stühle und Tische zierten, landen wie von Geisterhand in meinem Schrank – frisch gewaschen und gebügelt versteht sich. Nun könnte man sagen, der gemeine Mann sei einfach ein fauler Sack, doch ganz so einfach ist es nun auch wieder nicht.

Als eher primitiver Vertreter der Spezies Mensch ist unser Verhalten das Resultat einer simplen Konditionierung. Wenn sich die Hausarbeit auch ohne unser Zutun erledigt, warum sollten wir dann unsere Energie darauf verschwenden? Wer eine niedrigere Toleranzschwelle in puncto Chaos hat, kann ja gefälligst auch für Abhilfe sorgen. Der Preis, den Mann dafür bezahlt, ist allerdings der Verlust der eigenen Selbstständigkeit. Woher sollen wir noch wissen, wo sich die Schale für das Müsli oder das Fußballtrikot befinden, wenn wir den benötigten Gegenstand nicht selbst weggeräumt haben? Wie können wir sicher sein, was uns steht, wenn Frau für den Einkauf der Kleidung verantwortlich zeichnet? Schaue ich meinen Opa in seinem Fernsehsessel so an, denke ich allerdings: Mann kann diesen Verlust an Selbstständigkeit durchaus verschmerzen pa

© Foto: Maik Dörfert / Fotolia

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