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Männer – Schatz, ich geh zum Sport!

© Foto: kasami / Fotolia

Wenn etwas typisch männlich ist, dann wohl die Eigenschaft, sich mit Akribie und Hingabe einer eigentlich völlig bescheuerten Tätigkeit zu verschreiben. Der Bau eines Modellflugzeuges mit Düsenantrieb, das Backen einer Pizza mit 111 Käsesorten, aber auch Kickern, das Hobby meines besten Kumpels Norbert, sind solche Tätigkeiten.

Dreimal die Woche trifft sich Norbert mit seinen Teamkameraden in einer Kneipe, um an technischen und taktischen Feinheiten zu feilen. Seit diesem Jahr spielen sie sogar in einer Kickerliga. Aus Neugier begleitete ich meinen Freund kürzlich zum Training in eine Lübecker Spelunke. Das Licht war schummrig, die Luft rauchgeschwängert, aus den Boxen dröhnten Nick Cave und die Rolling Stones. Auch wenn die gesamte Szenerie nicht vermuten ließ, dass hier athletische Höchstleistungen vollbracht werden, steht für Norbert und seine drei Mitstreiter fest: Drehstangen-Tischfußball, wie das Spiel offiziell heißt, ist ein richtiger Sport. Der Ehrgeiz der Jungs geht soweit, dass sie vor Auswärtsspielen die Kneipe ihres nächsten Gegners aufsuchen, um das dortige Spielgerät auf Herz und Nieren prüfen.

„Jeder Kicker-Tisch hat seine ganz eigene Charakteristik“, erklärte Norbert, bevor er sein Hobby endgültig zur Wissenschaft erhob. Plötzlich war von lateraler Energie, Pin-Shots und dem komplexen Regelwerk die Rede. Als Foul im Punktspiel gilt das Reden am Tisch genauso wie etwa Kurbeln oder Zeitspiel. Männer wären natürlich keine Männer, wenn bei allem Streben nach Perfektion nicht immer auch genügend Zeit für Geselligkeit übrig bleiben würde. Mit etlichen Bierchen und der einen oder anderen Zigarette beschlossen wir das Training und so langsam konnte auch ich mich für das Kickern begeistern. Vor dem nächsten Kneipenbesuch müsste ich meiner besseren Hälfte dann nur sagen: „Schatz, ich geh zum Sport!“ Wir Männer sind einfach so clever. pa

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