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Rosalie im Einteiler – Künstler aus dem Norden: Günter Selle

Günter Selle

Manche schauen etwas düster und mürrisch, manche spöttisch oder trotzig. Die 40 Zentimeter großen Holzfiguren erzählen Geschichten aus ihrem wohl mühseligen Leben und nehmen gefangen. Ein Schmunzeln kann man sich nicht verkneifen, auch ein zweites und drittes nicht, blickt man ihnen in die ernsten Augen.

Die Ironie ist ihnen auf den Leib geschrieben mit ihren ausgebeulten Badehosen, Blümchenbadekappen, Alditüten und pinkfarbenen Badelatschen. Ihr Schöpfer Günter Selle, von Beruf Krankenpfleger in der Rehabilitation, Tischler und Grafiker, entdeckt seine Modelle im Urlaub an spanischen Stränden. „Da laufen sie mir nur so vorbei“, sagt er bei einem Gespräch in seiner Werkstatt in Lübeck. Fragt man Günter Selle nach seinen künstlerischen Anfängen, erklärt er, dass er schon lange künstlerisch unterwegs sei, auf Papier und ebenso in Holz. „Es hat sich so entwickelt. Aufgewachsen bin ich in der Kleinstadt Mölln und in den Sommerferien ging’s zu den Großeltern auf ihren Hof“, so Selle. Dort sei er ihnen begegnet, den Mecklenburger Landfrauen in Kittelschürze und den Leuten aus dem Krämerladen. „Meta aus MV“ scheint gerade aus dem Stall zu kommen und hat ihre Mistgabel noch gar nicht abgelegt. „Meine Figuren bekommen alle Namen und sobald sie Augen haben, spreche ich mit ihnen“, erklärt Selle und schmunzelt. Im Schaufenster seiner Werkstatt stehen die vom Leben gezeichneten Figuren und warten geduldig darauf, dass sich ihre Situation ändert. Aber es scheint ihnen auch nichts auszumachen, wenn sie weiterhin ihrer Bestimmung nachgehen müssen. Vielleicht stehen sie aber auch demnächst in einem schicken Wohnzimmer auf einem weißen Regal, denn kaufen kann man sie.

Seine Figuren schnitzt der Künstler aus Kiefernholz. Das sei zwar widerspenstig, habe ihn aber gefesselt. Später werde er auf Linde umsteigen, dem klassischen Holz für Bildhauer. Es sei viel weicher und leichter zu bearbeiten. Zunächst zeichne er den Entwurf und übertrage ihn mit klassischem Werkzeug. „Im Moment bin ich noch voll berufstätig, sagt der 61-Jährige, der seit 20 Jahren für die gemeinnützige therapeutische Einrichtung „Die Brücke“ in Lübeck arbeitet. Aber später werde er seine Kunst intensiver betreiben. Sie können auch von Günter Selle lernen, wie man Holz bearbeitet, denn er bietet Tischlerkurse an. Zur „Offenen Werkstatt“ lädt er am 11. Juni ab 11 Uhr ein. Unter dem Motto „Schönes auf Papier – Schönes aus Holz“ kann jeder seine künstlerische Ader testen. Sie finden die Werkstatt in Lübeck in der Posener Straße 17A. Sie liegt nicht direkt an der Straße, aber ein Werkstattschild führt Sie ans Ziel. Anmelden können Sie sich telefonisch unter 0171 18044691. Alle weiteren Informationen finden Sie auch unter www.kunsthof-selle.de.

Wer gerne eine der Holzfiguren sein Eigen nennen möchte, findet diese in der Ostsee-Galerie Timmendorfer Strand (www.ostsee-galerie-timmendorfer-strand.com) und kann sie dort bestaunen und natürlich auch käuflich erwerben. Der Galerieleiter Hubert Huster ist ihnen gerne bei der Wahl des begehrten Objekts behilflich. Die Ostsee-Galerie Timmendorfer Strand hat von Dienstag bis Samstag von 10:00 bis 18:00 Uhr und am Sonntag von 12:00 bis 18:00 Uhr die Türen für sie geöffnet.

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