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Im Talk mit Jenny Jürgens

Jenny Juergens - © Foto: ARD/Thorsten Jander

Jenny Jürgens hat sich schon seit Jahren als Schauspielerin einen Namen gemacht und ist aus dem Schatten ihres berühmten Vaters, Udo Jürgens, herausgetreten und geht erfolgreich ihren eigenen Weg. Gemeinsam mit Schauspielkollegen Klaus Zmorek ist sie als neues Traumpaar der Telenovela „Rote Rosen“ ab September immer montags bis freitags von 14:10 bis 15:00 Uhr in der ARD zu sehen. Am 10. Oktober wird Sie zudem beim UNICEF Talk „Unterhaltung am Meer“ im Maritim Seehotel teilnehmen.

Frau Jürgens, Sie sind bereits Serien erprobt und haben bei der Telenovela „Lena – Liebe meines Lebens“, „In aller Freundschaft“, „Die Anrheiner“, „Schlosshotel Orth“ und der Produktion „Schloss am Wörthersee“ mitgewirkt. Was ist das Besondere am Dreh bei Telenovelas und Serien? Was reizt Sie so daran?
Das schöne an Serien und Telenovelas ist mitunter die lange Laufzeit. Man wächst mit einer Geschichte und kann sich so über einen langen Zeitraum dem Publikum zeigen. Ich habe im Laufe der vielen Serientätigkeit viel gelernt. Zum Beispiel unter hohem Zeitdruck zu funktionieren. Oder auch Teamfähigkeit. Man wächst mit  der Zeit enorm zusammen, was die Arbeit schöner macht. Oft ist man in Produktionen mit Gastrollen nur für ein paar Tage direkt emotional hoch gefordert… mit fremden Kollegen. Das muss man natürlich auch können, aber wenn man einen längeren Weg zusammengeht, entsteht ein gutes Vertrauen und man kann sich in den Szenen fallen lassen. Jeder im Team ist geich wichtig. Egal in welcher Position er arbeitet. Nur mit diesem Respekt entsteht etwas Gutes. Sich als Schauspieler für etwas Besonderes zu halten ist fatal. Auch ist es natürlich angenehm als Schauspieler in einem längeren Arbeitsverhältnis zu sein.

Bisher waren Sie in Düsseldorf und auf Mallorca zuhause. Für die „Roten Rosen“ sind Sie nach Lüneburg gezogen. Das ist ein ganz schöner Unterschied. Wie kommen Sie damit klar und haben Sie sich schon eingelebt in der Stadt an der Salzstraße?
Es war ja in dem Sinne kein richtiger Umzug. Ich habe hier eine schöne Produktionswohnung und natürlich habe ich auch ein Auto voller Sachen dabei. Es ist ja für eine lange Zeit. Ich bin aber ein Mensch, der es sich überall gut einrichten kann. Ich mache es mir schnell gemütlich. Ortswechsel gehören zu unserer Arbeit, da muss man flexibel sein. Lüneburg ist absolut zauberhaft und es ist ja auch ein Privileg durch den Beruf so viele neue Orte kennen zu lernen. Ich bin also angekommen und fühle mich wohl….auch wenn meine Wege zu 90 Prozent zwischen Studio und Wohnung stattfinden ; )

Was  zeichnet Sie besonders in Ihrer Rolle bei den Roten Rosen aus?
Ich denke generell zeichnet die Hauptrose aus, dass sie von Frauen von Mitte/Ende vierzig gespielt werden. Da fühlen sich die weiblichen Zuschauer schon abgeholt. Ich habe mich mit meiner Rolle sehr gut angefreundet – Jana ist mir sympathisch – sie ist offen und warm, sie hat lange im Ausland gelebt, sie ist ein Familienmensch und sie kann kämpfen, wenn es darauf ankommt. Das sind Eigenschaften, die ich auch habe. Was mich persönlich betrifft. Ich denke einfach, dass ich gut auf diese Figur passe. Es ist nichts künstlich Erzeugtes und so kann ich der Jana Greve ein natürliches Leben einhauchen mit vielen persönlichen Anlagen.

Und Privat? Ihr Lebensgefährte Regisseur David Carreras kann nicht mit nach Niedersachsen kommen. Wie oft werden Sie sich sehen?   
Wir haben uns bereits mehrfach gesehen und wir werden auch weiterhin einen guten Herzensplan erstellen um die Trennungen erträglich zu machen. Wir freuen uns, dass wir beide so gut beschäftigt sind und wissen, dass es eben dazu gehört, sich manchmal weniger sehen zu können. Das ist ein Teil unserer Arbeit und wir kennen es nicht anders auch aus dem früheren Leben. Man braucht einen Partner, der das versteht. Sonst wird es schwer. In unserem Fall mache ich mir keinerlei Sorgen. David dreht zur Zeit hauptsächlich in Deutschland und es gibt viele freie Wochenenden.

Sie sind selbst sehr erfolgreich, werden aber bestimmt oft auf Ihren berühmten Vater und ihr gemeinsames Lied „Liebe ohne Leiden“
angesprochen. Nervt Sie das? Wie oft sehen Sie Ihren Vater? Und wie gehen Sie damit um, so einen berühmten Vater zu haben?    
Auf meinen Vater angesprochen zu werden ist ein Teil meines Lebens, seit ich denken kann. In Zeiten, in denen ich noch keine eigene Biografie hatte und jünger war, war das nicht immer leicht, da man oft ausschließlich über ihn definiert wurde. Das ist heute anders. Ich bin eine erwachsene Frau mit einer eigenen beruflichen Identität. Ich liebe meinen Vater und bin sehr stolz auf ihn. Er ist eine Ikone in diesem Land und es ist völlig normal, dass man mich zu ihm befragt. Er wird ja auch zu mir befragt. Ich musste sehr lachen, als er einmal zu mir sagte. Irgendwann kommt wohl der Tag, an dem man mich fragen wird: „Sind Sie der Vater von Jenny Jürgens?“ Das war doch sehr komisch! Nun, dazu wird es wohl kaum kommen, aber das ist auch gar nicht wichtig. Wichtig ist irgendwann zu begreifen, dass dieser Weg nicht ein ständiges Rennen hinaus aus seinem Schatten bedeutet, sondern ein stetes Wandern hin zum eigenen Licht.

Neben der Schauspielkarriere finden Sie immer noch Zeit sich sozial zu engagieren. Sie haben gemeinsam mit dem Roten Kreuz Düsseldorf „Herzwerk“ gegründet, außerdem vermitteln Sie Patenschaften für Senioren und haben auch selbst eine übernommen. Wie sind Sie auf die Idee gekommen und wie schaffen Sie das zeitlich noch im vollen Terminkalenden unterzubringen?
Herzwerk- Aktiv gegen Armut im Alter ist sicher für mich ein Meilenstein meines Lebens. Vielleicht sogar die wichtigste Aufgabe die ich habe. Senioren, die in Armut leben, krank und einsam sind, haben gesellschaftlich die schwächste Lobby. Deshalb habe ich mich diesem Thema verschrieben. Alte Menschen können sich oft nicht mehr selbst helfen. Besonders, wenn sie keine finanziellen Mittel haben. Sie sind angewiesen auf Unterstützung. Aber es geht nicht nur um Geld, sondern auch um Nähe, Ansprache und Aktivitäten, um der Einsamkeit zu begegnen. Es ist ihr Recht, dass sich der Kreis des Lebens würdevoll schließt. Die Realität sieht leider anders aus, deshalb sind Projekte wie Herzwerk so wichtig. Auch mein Leben hat sich verändert durch diese Arbeit. Ich weiß, dass ich hier etwas äußerst Sinnvolles tue und das befriedet ungemein. Natürlich bin ich auch von Lüneburg aus ständig mit meinem Mitarbeitern und meinem Partner, dem Deutschen Roten Kreuz Düsseldorf, verbunden. Alle Aktionen laufen auch über meinen Computer. Das ist mir immer wichtig gewesen. Nicht nur eine Art Patin zu sein, sondern ein alltäglich aktiver Teil. Das ist als Initiatorin auch meine Verpflichtung wenn ich glaubwürdig sein möchte. Diese Zeit nehme ich mir – auch hier während der Dreharbeiten.

© Foto: ARD/Thorsten Jander

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