25. Juli 2026
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Pötte und Bucht im Blick

Der Alte Leuchtturm Travemünde

Travemünde Mitte April. Eine steife Brise fegt von Land über die Trave. Die schiebt die Wolken von leuchtend weiß bis dunkelgrau über den blauen Himmel. In der Ferne glitzert das Meer, wenn die Strahlen der Sonne es treffen. Erste Boote dümpeln an den Stegen, einige Segler und ein Frachter passieren die Passat. Vor dem Alten Leuchtturm steht eine Gruppe von Menschen, die an der Führung mit dem Wärter teilnehmen möchten. Jeden Sonntag um 11.30 Uhr findet die statt. Interessierte gibt’s immer. Burkhard Wunder, der Leuchtturmwärter, zünftig mit Elbsegler-Mütze und Kaban, schmunzelt und verrät den Zuhörern, dass sie sich nicht wundern mögen, wenn er manchmal auch Wunderliches erzählt. Das gehöre einfach dazu.

Der kundige Wärter plaudert in munterem Ton über die wechselvolle Geschichte Travemündes und erwähnt die Gründung 1187. Erstmals 1204 findet sich die Bezeichnung „Travemünde“; zu der Zeit herrschte der Dänenkönig Waldemar II über die Stadt. Wunder berichtet von Piraten und Schiffen, die mit Ölfeuern in die Irre geleitet wurden und vor der Küste versanken. Das Strandgut gehörte dem, der es fand.

Die Daten zur Geschichte der Siedlung finden Sie bei Wikipedia. Erwähnen möchten wir, dass 1539 holländische Maurer ganz ohne Gerüst den 39 Meter hohen und ein Meter dicken Leuchtturm aus Ziegelsteinen errichteten. „Dort, wo heute Parkplätze sind, waren früher nur Wiesen“, so Wunder. Das weiße Haus am Leuchtturm sei für den Wärter gewesen, der habe dort mit Frau, Kindern, Schafen und Ziegen gelebt. Das gelbe für die Lotsen. „Heute sind es Ferienwohnungen vom Sozialwerk“, ergänzt er noch. Das Maritim, vis-à-vis, lade ein mit dem Charme der 70er Jahre, der Ausblick vom Café unter den Wolken allerdings sei umwerfend. Burkhard Wunder verrät, dass das Café von 15.00 bis 17.30 Uhr auch öffentlich zugänglich sei.

 

Leuchtturm-Travemünde-(c)-Regine-Tams

Foto: Regine Tams

Nach dem Abstecher in die Jetztzeit tauchen wir wieder ein in die Geschichte und eilen durch die Jahrhunderte, um uns in der Kaiserzeit niederzulassen. „Auf der anderen Straßenseite steht das Kurhaus von 1913, das in nur sechs Monaten errichtet wurde“, sagt Wunder und macht die Jahrhundertwende lebendig. Er zeigt uns eine alte Abbildung des Segelschiffs von Kaiser Wilhelm II. Schon früh entdeckte man, dass die Bucht rund um Travemünde ein vorzügliches Segelrevier ist. 20 Jahre kam der Kaiser mit Gemahlin zum Segeln nach Travemünde. Wir schlendern am Brügmanngarten vorbei und stehen dann vor dem ehemaligen Konversationshaus mit städtischem Kursaal, das 1914 erbaut wurde; in ebenfalls nur sechs Monaten. Ab 1949 war es das Spielcasino Travemünde. Das Mondäne zog zu allen Zeiten die High Society an und so verkehrten berühmte Schauspieler, Musiker und der Geldadel im prächtigen Bau.

Immer wieder flicht Wunder Anekdoten zum Schmunzeln ein, beispielsweise von den „Strandlöpers“ und „Luftschnappers“, die zum Kuren an die See kamen und oft an Atemwegserkrankungen litten. „Nun kommt mal rauf auf die schöne Promenade“, befiehlt er seinen Zuhörern. Denn dafür war und ist sie schließlich da. Damals, so Mitte des 19. Jahrhunderts flanierten Adelige mit ihrem Gefolge an der See entlang. Die Dienerschaft war immer dabei.

Wunder erzählt von den Medusenbädern gegen Hautprobleme. Auch bei Migräne sollen die Quallen Wunder gewirkt haben. In die „grausige Flut“, das Meer eben, ging man nur kurz. Der Badearzt empfahl drei Minuten und nicht länger, um nicht zu unterkühlen. Das freie Baden in der See war bis 1928 verboten, jeder Gang ins Meer musste angemeldet werden. Man trug geringelte Badeanzüge, die ausgeliehen wurden. Da sich die Körperrundungen gerade nach dem Bad besonders gut abzeichneten, erließ man 1932 die Badepolizeiverordnung. Hier war genau beschrieben, wie Badekleidung von Männern und Frauen auszusehen habe. Fortan mussten unter dem Badeanzug dreieckige Zwickeltücher getragen werden, um der Zucht und Ordnung willen. „Heute werden nur noch Zwickel getragen“, bemerkt Wunder.

Wir führen unseren Weg fort, gelangen an Schaukästen mit unterschiedlichen Fahrwassertonnen, über die der Leuchtturmwärter berichtet. Auch über die Aufgaben von Lotsen erfahren wir einiges. Bevor wir wieder zum Leuchtenfeld gelangen,  passieren wir die Verkehrszentrale, das Wasser- und Schifffahrtsamt und die Wasserschutzpolizei, die sich zunehmend um Diebstähle kümmern muss. Bis 1961 lag der Hafen von Travemünde in Höhe des Leuchtturms und große Kreuzfahrtschiffe lagen dort vor Anker, erfahren wir noch.

Das Beste kommt zum Schluss: Wir erklimmen die 142 Stufen bis zur Aussichtsgalerie. Auf jeder Etage kann man Museumsgegenstände wie Signalbälle, Laternen und Tonnenleger ansehen und ausruhen, wenn man möchte. Von Etage zu Etage werden die Stufen steiler; die letzten fast senkrecht. Öffnet man oben die Tür zur Galerie, schlägt einem der Wind ins Gesicht und man drückt sich an die Mauer, wenn man nicht schwindelfrei ist. Lediglich eine Metallumzäunung trennt vom Abgrund. Die Aussicht ist fantastisch. Auf der rundumlaufenden Galerie erblicken Sie den Skandinavienkai, die Travemünder Altstadt und die Lübecker Bucht bis Grömitz. Auch die Küste Mecklenburg-Vorpommerns mit ihren Stränden ist zu sehen. Wer einmal hier war, kommt immer wieder. Informationen finden Sie unter www.leuchtturm-travemuende.de.

Foto: Regine Tams

 

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