Herr Marshall, Sie sind ein vielseitiger Künstler und beliebt als Sänger, Schauspieler, Komponist und Enter-tainer. Auch als Produzent für Festivals, TV-Shows und Musikalben haben Sie sich einen Namen gemacht. Gibt es einen „Job“, der Ihnen am liebsten ist?
Das Schöne ist doch, dass es mein Leben ist und nicht mein Job. Ich bin ein Glückskind. Seit ich als kleiner Junge mit fünf Jahren das erste Mal auf einer Bühne stand, widme ich mein Leben meinen Talenten. Also: Ja, ich liebe mein Leben!
Der Schlagerstar Tony Marshall ist Ihr Vater gewesen. Was haben Sie von ihm gelernt und war es auch schwierig, sich neben so einem berühmten Sänger zu behaupten?
Als Kollege: Hingabe, Fleiß, Ausdauer, Disziplin!
Als Mensch: Leichtigkeit, Freude, Lebenslust!
Das ist Thema „Sohn von Tony Marshall“ zu sein, ist viel zu vielschichtig, um es hier befriedigend zu bearbeiten. Tatsache ist: Die unsägliche Trennung von U-und E-Musik schadet nicht nur mir und unserem Papa. Schon zu Beginn meines Gesangsstudiums an der Staatlichen Hochschule für Musik in Karlsruhe (hier hat auch Papa studiert) haben sich einige Herren und Damen im Professorenstand als Ignoranten und Dummköpfe geoutet. Trotz bestandener Aufnahmeprüfung wollte man mich nicht aufnehmen. „Wir wollen nicht noch einmal einen Tralala-Sänger ausbilden!“
Sie sind als Sänger mehr als ein halbes Jahrhundert unterwegs. Erinnern Sie sich noch an die Anfänge und was hat Sie zu der Zeit am meisten berührt?
Ich kann mich noch sehr gut erinnern. Erste Auftritte mit unserem Papa auf kleinen Festen oder sechs Wochen lang jeden Abend in dem deutschen Club „The Brown Bear“ in Chicago. Da war ich erst sechs und viele Auftritte mehr sind in meiner Erinnerung geblieben. Damals habe ich schon entschieden, dass ich auf die Bühne möchte. Und die Erinnerung daran berührt mich heute noch mehr als die Momente damals. Als kleiner Junge ist man mehr fasziniert von dem Phänomen Künstler-Publikum. Die Bühnenwelt kann die reale Welt verzaubern. Das begeistert mich bis heute.
Ist Sänger Ihr Traumberuf? Oder hätten Sie sich auch in einem anderen Berufsfeld sehen können?
Die Bühne ist mein Leben. Hier kann ich Glück kreieren und das ist alternativlos.
Wie sehen Sie die Veränderungen in der Musikbranche bezüglich KI und
wie stehen Sie persönlich dazu?
Solange ich kann, schreibe ich meine Texte, Briefe und Songs selbst. Solange ich kann, werde ich selbst singen. Mein sich täglich ändernder Biorhythmus soll auch weiterhin mein Tun bestimmen. Ich bin kein Freund von leblosem Perfektionismus, von einer beliebigen Wiederholbarkeit. Das Echte, die von Mensch zu Mensch direkt transportierte Emotion interessiert mich. Ich bin ein „analoger“ Sänger. Ich stehe für NO FAKE SINGING. Vielleicht heißt es bald: „Es gab mal Sängerinnen und Sänger, die selbst gesungen haben!“ Dann bin ich einer davon!
Am 21. November erleben Ihre Fans das Konzert in der Trinkkurhalle in Timmendorfer Strand. Können Sie schon mal etwas über Ihr Programm verraten?
Ich kann verraten, dass es zu 100 % Marc Marshall zu sehen und zu hören gibt. Musikalisch und emotional bewege ich mich durch alle möglichen Welten. Deutsch, englisch, französisch, italienisch wird gesungen und bestimmt entscheide ich auch, je nach Stimmung, was ich gerade empfinde und dann singe. Mit dabei ist der wunderbare René Krömer am Flügel!
Sie werden oft als „Meister der Töne“ bezeichnet. Haben Sie ein absolutes Gehör?
Das ist ein schönes Kompliment, danke! Nein, ich habe kein absolutes Gehör, aber vielleicht nach so vielen Jahren ein sehr gutes Gespür!
Sie sind ein Familienmensch. Wie werden Weihnachten und der Jahreswechsel bei Familie Marshall gefeiert?
Da die Familie wächst, wird es immer schwieriger alle an einen Tisch zu
bekommen. Aber genau das wollen wir auch in diesem Jahr versuchen. Und dann wird tatsächlich gesungen und gefeiert! Wir feiern das Leben, uns als Familie und die Musik!
Wir danken Ihnen herzlich für das Gespräch und wünschen Ihnen eine schöne Zeit an der Ostsee!
Sehr gerne!