Neulich war ich zu Besuch bei Mama und Papa. Als wir bei Kaffee und Kuchen auf der Terrasse saßen, kam ein alter Schulfreund mit seinen beiden Kids am Zaun vorbeigeschlendert. Nach kurzem Smalltalk fragte er mich, ob ich nicht Lust hätte, heute ein paar Bier auf dem Dorffest zu trinken. Ich war seit über 20 Jahren nicht mehr dort. Die wilden Zeiten waren schließlich vorbei. Trotzdem schossen mir sofort alte Bilder durch den Kopf: Vortrinken in der Gartenlaube, der feste Vorsatz, mit dem schönen Geschlecht anzubändeln, und die regelmäßige Erkenntnis, dass dieser Plan mit steigendem Alkoholpegel nicht unbedingt besser wurde. Stattdessen landete man kotzend am Lagerfeuer und später vor der elterlichen Haustür. Ich sagte zu. Schließlich waren mehr als 20 Jahre vergangen. Das sollte reichen, um aus seinen Fehlern zu lernen. Dachte ich. Auf dem Dorffest angekommen, waren wir schnell wieder beim alten Programm: Cola-Korn. Mischungsverhältnis ungefähr 80 zu 20. Zugunsten des Korns. Dazu gab es am Imbissstand eine Manta-Platte mit Pommes, die vermutlich schon einige Dorffeste hinter sich hatte. Wir aßen sie trotzdem. Auf der Tanzfläche liefen 90er-Jahre-Hits. Irgendwann sang ich laut mit. Warum, weiß ich bis heute nicht. Gegen zwei Uhr schlug der Pegel um. Ich übergab mich am Lagerfeuer der Freiwilligen Feuerwehr. Direkt neben den Holzstapel. Damit war zumindest ein Teil meiner Jugend erfolgreich wiederholt worden. Gegen halb vier machte ich mich im Zickzack-Lauf auf zu meinem Elternhaus, nur um festzustellen, dass ich den Schlüssel verschlust hatte. Ich klingelte Sturm. Mama öffnete mir im Nachthemd. Das Gästezimmer war bereits fertig. Inklusive Eimer. Offenbar hatte man mit allem gerechnet. Am nächsten Morgen war dann klar: 20 Jahre Pause vom Dorffest waren vielleicht doch nicht die schlechteste Idee. Aber immerhin weiß ich jetzt, dass Mama und Papa noch einen Eimer haben. p.a.