Sie sind ein vielseitiger Mensch und begeistern als Moderator, Sänger, Autor, Entertainer, Schauspieler und bestimmt nicht zuletzt als Plattdeutsch-Experte. Wie sind Sie zur Sprache gekommen und was fasziniert Sie besonders an ihr?
Also, zur plattdeutschen Sprache bin ich durch das Dorfleben gekommen. Ich habe in einem kleinen Dorf gewohnt. Das heißt Falkenburg und liegt in der Gemeinde Ganderkesee im Landkreis Oldenburg. Dort war ich noch für einige Wochen in der Dorfschule, bevor ich zur Orientierungsstufe kam. An der Schule wurden eine Plattdeutsch-AG und ein plattdeutscher Kinderchor angeboten. Die verantwortliche Plattdeutschlehrerin hat mich zum plattdeutschen Lesewettbewerb angemeldet. So hatte ich meine erste Berührung mit dem Plattdeutschen und habe seitdem immer Freude an der Sprache gehabt.Später, nachdem ich meine Schauspielausbildung beendet hatte, bekam ich ein Engagement am Ohnsorg-Theater – zunächst mit einer Musikgruppe als Musiker. Dort ließ ich nebenbei fallen, dass ich auch Plattdeutsch schnacke. Der Regisseur fand das cool und fragte mich anschließend für eine Rolle an.
In „Yared kommt rum“ erzählen Sie Dorfgeschichten aus Norddeutschland. Wie kommen Sie zu den Geschichten und Orten oder kommen die Leute auf Sie zu nach dem Motto: Herr Dibada, bei uns ist was los?
Zunächst hatte die Redaktion beziehungsweise die Produktionsfirma die Dörfer recherchiert und so spannende und interessante Dörfer aufgetan. Mittlerweile ist die Sendung so bekannt, dass sich auch Dörfer von selbst melden und sagen: „Wir würden uns freuen, Yared, wenn du bei uns rumkommst.“
Also, wir freuen uns weiterhin über gute Vorschläge.
Musik machen Sie auch noch mit Ihrer Band „Yared Dibaba und die Schlickrutscher“. Schreiben Sie auch die Texte und die Musik?
Ich habe bei einigen Songs die Texte geschrieben, bzw. mitgeschrieben. Meistens sind das Teamwerke. Die Musik haben meine Bandkollegen oder Produzenten geschrieben.
Man hat immer den Eindruck, Sie haben Sonnenschein im Herzen und möchten den auch verbreiten. Waren Sie schon in Kindertagen ein fröhlicher Mensch? Vergeht Ihnen das Lachen angesichts der politischen Situation in Deutschland nicht manchmal?
Ich würde sagen, ich war auch als Kind ein fröhliches Kind. Mit Sicherheit hatte ich auch melancholische und nachdenkliche Momente. Ich bin im Bürgerkrieg in Äthiopien aufgewachsen und habe Situationen erlebt, in denen es gar nicht lustig und schön, sondern schockierend und erschreckend war. Auch diese Momente gab es in meiner Kindheit.
Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich mich besonders über schöne Dinge gefreut habe und froh war, wenn es friedlich, ruhig und nicht bedrohlich war.
Was die momentane politische Situation in Deutschland angeht, vergeht mir tatsächlich manchmal das Lachen. Noch viel mehr vergeht mir das Lachen, wenn ich an die krassen Menschenrechtsverletzungen in meiner Heimat, in vielen anderen afrikanischen Ländern und auch in anderen Teilen dieser Erde denke. Da muss ich sagen: Es ist wichtig, die Dinge immer wieder ins Verhältnis zu rücken. Wir leben in einer Demokratie, in Frieden und in Freiheit. Dass die Entwicklung hier manchmal beängstigend ist, sehe ich auch so. Aber wir können noch viel mitgestalten, verändern und beeinflussen. Wir sind nicht ohnmächtig. Wir können uns gesellschaftlich engagieren – in Parteien, in der Kirche, in Vereinen oder in anderen Organisationen. Diese Möglichkeit haben viele Menschen, zum Beispiel in meiner Heimat und in vielen anderen Ländern dieser Erde nicht.
„Yareds Zeitreisen“ ist eine neue NDR-Sendung. Auch das persönliche Live-Programm „Bin da, wer noch?“ startet neu. Was werden die Bühnenshows zum Inhalt haben?
Meine Bühnenshow unterhält und ich wünsche mir, das sie gleichzeitig zum Nachdenken anregt. Es wird gelacht und nachgedacht. Manche Menschen weinen auch, es wird getanzt und wir singen gemeinsam. Ich erzähle meine Geschichte. Es geht um Vielfalt und Diversität, um Dinge, die wir gemeinsam haben, und um Dinge, die uns unterscheiden. Ich rede Plattdeutsch und spreche meine Sprache Afaan Oromo. Ich spreche über Heimaten, Zugehörigkeit, Flucht und Bürgerkrieg – und darüber, warum ich mich mit den Menschen im Osten verbunden fühle.
Es ist keine einfache Unterhaltungsshow. Einige kommen hinterher zu mir und sagen: „Damit habe ich nicht gerechnet.“ Und sie nehmen einiges mit.
Bei so viel neuen Ideen, haben Sie bestimmt schon das nächste Projekt im Kopf, oder?
Ich habe ständig neue Ideen im Kopf, aber ich spreche längst nicht über alles, was ich gerne machen möchte. Nur dann wenn es konkret wird. Zur Zeit freue ich mich darüber, dass die aktuellen Projekte realisiert sind und laufen. Damit habe ich im Moment ausreichend zu tun und sie verlangen meine ganze Aufmerksamkeit und Energie.
Am 3. Dezember treten Sie auf der Showbühne beim Unicef-Talk in Timmendorfer Strand auf. Was erwartet die Zuschauer?
Das verrate ich doch jetzt nicht.
Der 18. Juni 1979 ist für Sie ein besonderer Tag. Damals sind Sie mir Ihren Eltern und Geschwistern vor dem Bürgerkrieg in Äthiopien geflohen und in Falkenburg (Niedersachsen) gelandet – schlagen jetzt zwei Heimatgefühle in Ihrer Brust?
Ja in meiner Brust schlagen tatsächlich zwei Heimaten – aber ich habe auch noch andere, weitere Heimaten. Auch das ist ein Thema in meiner Show.
Was ist Ihr größter Wunsch für die Zukunft?
Das ist eine sehr offenen Frage. Ich wünsche mir mehr Liebe zwischen uns Menschen. Das klingt banal, ist aber sehr ernst gemeint. Mehr Liebe zu uns selbst und mehr Nächstenliebe. Ich hoffe Sie können damit etwas anfangen.