Zwischen Moldau und Elbe
Ein Ruck geht durchs Deck, dann setzen sich die beiden Schaufelräder in Bewegung. Langsam, fast bedächtig, schlagen sie ins Wasser, während hinter uns die ersten Lichter Prags aufflackern. Die MS Elbe Princess ist ein Schaufelradschiff mit kombiniertem Jetantrieb – ideal für geringe Wassertiefen und enge Flussläufe. Das von Cosi Europe betriebene Schiff verfügt über lediglich 39 Kabinen und bietet damit eine kleine, familiäre Atmosphäre. Genau das macht diese Reise so besonders: Man sitzt in einer Art Wohnzimmer mit Aussicht, das einen von einer der schönsten Städte Mitteleuropas zur nächsten trägt.
Doch bevor das Schiff ablegt, gehört Prag erst einmal uns. Zwei Tage lang bleibt Zeit, die Stadt auch abseits der großen Besucherströme zu entdecken. Im jüdischen Viertel Josefov stehen die Grabsteine des Alten Jüdischen Friedhofs so dicht, dass man die Jahrhunderte förmlich spürt – bis zu zwölf Schichten Gräber sollen übereinander liegen, berichtet die Stadtführerin, weil der Platz nie erweitert werden durfte. Sie erzählt von der Geschichte des Viertels und öffnet damit einen anderen Blick auf Prag. Nur wenige Schritte weiter erhebt sich die Altneu-Synagoge, seit Jahrhunderten ein Zentrum jüdischen Lebens. Statt Abendessen an Bord zieht es uns in ein klassisches Konzert unter historischen Gewölben: Mozart und Dvorak im Clementinum, während draußen die Karlsbrücke im Dunkeln liegt und Prag ein bisschen zur Ruhe kommt.

Erst am nächsten Morgen beginnt die eigentliche Reise auf dem Fluss. Die Route führt hinaus aus Prag und hinein ins böhmische Hinterland. In Stechovice erinnert das wuchtige Kraftwerk an die Moldau-Kaskade, die den Fluss bis heute zähmt. Kurz darauf öffnet sich der Slapy-Stausee, tiefblau zwischen bewaldeten Hängen – dort, wo einst die gefürchteten Johannes-Stromschnellen Flößer in Angst versetzten. Auf dem Weg zurück nach Prag wartet im böhmischen Hinterland das Schloss Konopiste. Der barocke Bau, einst Rückzugsort von Erzherzog Franz Ferdinand, überrascht mit seinen über 4.000 Jagdtrophäen ebenso wie mit erstaunlichem Komfort: warmes Wasser, Telefon, Heizung – Luxus, der seiner Zeit weit voraus war. Wieder an Bord nimmt Kapitän Karel Bulka Kurs auf Prag, bevor die Reise endgültig flussabwärts führt.
Jetzt beginnt, was diese Fahrt so ungewöhnlich macht: die Strecke selbst. Vorbei an Stauseen, durch Schleusen und entlang von Landschaften, die man von Land aus kaum zu Gesicht bekäme. Wo die Straße die Landschaft in einzelne Bilder zerlegt, fließt hier alles ineinander: Wälder, Wiesen, vereinzelte Holzhütten der tschechischen Tramping-Kultur zwischen den Bäumen.
Dann geht es von der Moldau weiter Richtung Norden. Das kleine Schiff sinkt und steigt Meter um Meter durch die Schleusen, draußen verändert sich die Kulisse, von den Mauern winken Menschen herüber – für ein paar Minuten wird aus Technik eine kleine Bühne.
Dann erreicht die Reise Melnik – und damit einen besonderen Punkt der Route. Hoch über der Stadt liegt das Schloss, während sich unterhalb die Moldau und die Elbe begegnen. Hier endet die Moldau, hier beginnt die Elbe.
Auch in Nelahozeves wird Geschichte lebendig. Das Schloss der Familie Lobkowicz erzählt von Monarchie, Exil und Rückkehr – ein Stück gelebter mitteleuropäischer Geschichte. Gleichzeitig wird die Landschaft immer weiter, der Fluss ruhiger und die Fahrt nähert sich der sächsischen Landeshauptstadt.
Dann taucht Dresden auf: Frauenkirche, Zwinger, Semperoper – eine Silhouette, die trotz aller Zerstörung wieder ganz selbstverständlich am Ufer steht. Der Fürstenzug, auf 25.000 Meißner Porzellanfliesen gemalt, wird zum Geschichtsbuch unter freiem Himmel, während man auf der anderen Elbseite, in der Neustadt, plötzlich in einem jüngeren, unbekümmerteren Dresden ankommt. Nach einem Tag voller Eindrücke geht es zurück nach Prag, wo das Galadinner den krönenden Abschluss der Reise bildet.
Am Ende bleibt nicht nur die Erinnerung an zwei prächtige Städte und Schlösser. Es sind die Bilder dazwischen, die bleiben: das gleichmäßige Drehen der Schaufelräder, die Schleusen – und das Gefühl, auf einem kleinen Schiff eine große, ungewöhnliche Strecke bereist zu haben. Eine Reise, bei der der Weg wirklich zum Ziel wird.
Die 7-tägige Reise auf der MS Elbe Princesse
ist ab 1.828,00 Euro pro Person in der 2-Bett Kabine buchbar.
Infos gibt es unter Tel: 0681-3032555 und
auf www.croisieurope.de
