Im Winter ist meist mehr Zeit für Museumsbesuche in der Region. Auch die coronakonforme Variante eines virtuellen Besuchs lohnt sich. Wir haben uns in Lübeck und Neustadt umgesehen.
Ans Herz legen möchten wir Ihnen die Sonderschau, die ab 3. Dezember zu Gast im Industriemuseum Herrenwyk ist. Die Gemeinschaft der Lübecker Künstler stellt ihre Arbeiten zum Thema „Industrie und Alltag – damals und heute“ aus. Die Ausstellung befasst sich mit Werken der Gemeinschaft Lübecker Künstler, die explizit für diese Ausstellung und das Industriemuseum Herrenwyk angefertigt wurden. Es gab bereits in früheren Jahren Kooperationen der Gemeinschaft Lübecker Künstler mit dem Industriemuseum. Urthemen des Museums werden künstlerisch aufgegriffen und neu interpretiert. In Anbetracht der Tatsache, dass das Museum normalerweise nicht unbedingt Kunst zeigt, ist dies eine völlig neue Auseinandersetzung mit den hauseigenen Arbeiter- und Industriethemen. Es eröffnet neue Zugänge und völlig neue Betrachtungsweisen und bringt eventuell auch den ein oder anderen neuen Besucher in das Haus, der sich somit vielleicht erstmals mit den Themen der Industrie- und Arbeiterkultur auseinandersetzt. Infos unter www.geschichtswerkstatt-herrenwyk.de.
Wer gern virtuell durch Lübecks Museen schlendern möchte, findet zahlreiche Anregungen, zum Beispiel im virtuellen Archiv des Günter Grass-Hauses.
Erleben Sie die Highlights der Sammlung unabhängig von Ihrem Museumsbesuch. Entdecken Sie ausgewählte Manuskripte, Zeichnungen, Werkpläne oder Skulpturen von Günter Grass. Exklusiv für das virtuelle Archiv produzierte Filme mit T.C. Boyle, Cornelia Funke, Nina Hoss, Johann Lafer, Denis Scheck, Anna Thalbach, Ulrich Wickert, Ranga Yogeshwar und vielen anderen liefern zudem spannende Hintergrundinformationen und überraschende Einblicke in den Schaffensprozess des Nobelpreisträgers. Hörens- und sehenswert sind u. a. die Gedanken von Ranga Yogeshwar zum Thema „Grass und Indien“. Von August 1986 bis Januar 1987 lebt Günter Grass zusammen mit seiner Frau Ute in Indien. Seit seiner ersten Indienreise im Februar 1975 ist es ihm ein wichtiges Anliegen, die Missstände in den Entwicklungsländern kennenzulernen und auf diese aufmerksam zu machen. Er bereist Indien mit seiner Zeichenfeder und skizziert die Armut in den Slums und auf den Straßen der Metropole Kalkutta: Müllberge, bettelnde Menschen, Ratten, Krähen, Hühner und heilige Kühe faszinieren und schockieren zugleich. Passend zu Weihnachten empfehlen wir den virtuellen Beitrag von Johann Lafer: Ein erlesenes Gericht. In „Beim Häuten der Zwiebel“ (2006) schildert Grass seinen künstlerischen Werdegang aus der Perspektive eines gealterten Mannes, der Schicht für Schicht eine Zwiebel schält, um sich an seine Vergangenheit zu erinnern. 1945 gerät der junge Grass als Soldat bei Bad Aibling in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft. Hinter Stacheldraht und von Hunger geplagt nimmt er an einem „Kochkurs für Anfänger“ teil. Ein Meisterkoch erläutert Grass und anderen Teilnehmern mit unnachahmlichem Akzent die Zubereitung der Gerichte. Der Kurs prägt Grass‘ lebenslange Liebe zum Kochen und Essen. Und Johann Lafer zeigt Ihnen, wie es mit der Weihnachtsgans problemlos klappt. Die Beiträge mit Johann Lafer und Ranga Yogeshwar finden Sie auch auf dem YouTube-Kanal des Grass-Hauses. Infos unter www.grass-haus.de.
Auch ein Besuch des zeiTTor-Museums lohnt an den Wochenenden; es hat im Winter samstags und sonntags geöffnet. Wer gern mehr über Hühnergötter erfahren möchte, hat dazu noch bis zum 12. Dezember die Gelegenheit. Aus der Sammlung von Christine Rosenplänter sind Hühnergötter vom Ostseestrand zu entdecken. Tipp: Auch das zeiTTor-Museum ist jetzt bequem von zu Hause im 3D-Rundgang zu erkunden. Infos unter www.zeittor-neustadt.de.
© Foto: Rainer Wiedemann