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Männer – Aufmerksame Nachbarn

© Foto: varuna / depositphotos.com

Der Blick aus dem Fenster verhieß nichts Gutes. An meinem etwas in die Jahre gekommenen Auto machten sich zwei Polizisten zu schaffen. Einer der beiden hockte vor dem hinteren Nummernschild und ihm schien nicht zu gefallen, was er da sah. Kurze Zeit später klingelte es an der Tür. „Guten Tag.

Sind Sie der Halter dieses Fahrzeugs?“, fragte mich ein schlecht gelaunter Ordnungshüter, während er auf meine Rostlaube zeigte. Ich bejahte die Frage. „Ihr TÜV ist seit zwei Monaten abgelaufen. Ein aufmerksamer Nachbar hat uns angerufen“, informierte mich der Polizist. Verbunden mit der Aufforderung, den Mangel binnen der nächsten zehn Tage zu beheben, drückte er mir einen weißen Zettel in die Hand. „Aufmerksam“, so nennt man das also. Das Adjektiv „denunziatorisch“ hätte besser gepasst, dachte ich mir, und schloss ein wenig verärgert, aber keineswegs überrascht, die Haustür. Seitdem meine Freundin und ich vor zwei Jahren in ein innenstadtnahes Reiheneckhaus gezogen waren, scheinen wir mit unserem von Regelbrüchen gekennzeichneten Lebensstil immer mal wieder anzuecken. „Ist das Ihre Katze, die da durch meinen Garten läuft? Ihre Hecke ist ja ganz schön hoch. Sie haben schon lange nicht mehr die Straße vor Ihrem Haus gefegt.“

Diese und weitere aufmerksame Beobachtungen waren wir schon gewohnt. Nun kam also noch das Anschwärzen bei der Polizei hinzu. Ein Gutes hatte die Geschichte wenigstens. Aus gebotenem Anlass ließ ich endlich die fälligen Reparaturen erledigen und erhielt ohne Beanstandung meine TÜV-Plakette. Hat schon etwas für sich, wenn man nicht mehr täglich das Kühlwasser nachkippen und beim Bremsvorgang nicht einige hundert Meter vorher den Anker auswerfen muss. Würde ich doch nur wissen, wer der aufmerksame Nachbar war, dem das Wohlergehen seiner Mitmenschen so am Herzen liegt, könnte ich ihm einen großen Blumenstrauß schenken. Vielleicht werde ich auch einfach seinem Beispiel folgen und künftig die TÜV-Plaketten in der Straße oder besser noch in der ganzen Stadt kontrollieren. Mit ein wenig Aufmerksamkeit könnte man so vielen Menschen helfen. pa

© Foto: varuna / depositphotos.com

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