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Interview – Im Gespräch mit Noah Fischer

© Foto: Rüdiger Knuth

Als enger Vertrauter Udo Lindenbergs und gleichzeitig Leader und Arrangeur der Pustefix-Bläser des Panikorchesters rockt er die Stadien in der ganzen Republik. Doch nicht nur mit einem gewaltigen Orchester im Hintergrund schafft Noah Fischer eindrucksvolle Musik. Zusammen mit seinem Saxofon verzaubert er auch im Alleingang seine Zuhörer. Uns verriet der selbsternannte „Popsaxofonist, der sich einiger Jazzelemente bedient“ unter anderem, was seine Inspirationsquelle ist …

Hallo Noah, mit welchem Gedanken bist Du heute früh aufgewacht?
Ich habe mich gefreut, dass die Sonne heute auch in Berlin scheint. Nachdem es doch schon herbstlich ist, kann ich den blauen Himmel und die Sonne, so wie in den letzten Tagen auf Mallorca, genießen. Ich freue mich außerdem auf die Tour und auf jeden neuen Tag in der Zukunft, an dem wir etwas Tolles kreieren können.

Du bist passionierter Saxofonist. Schilder uns doch bitte, was Dich an diesem Instrument fasziniert?
Für mich ist es das aufregendste und tollste Instrument. Es bringt alle Facetten der verschiedenen Emotionen zum Vorschein. Ich spiele gerne mit den Emotionen, die das Leben bringt. Und ich versuche mein Herz voll in die Musik zu bringen. Das Saxofon ist das Instrument, das Gefühle am stärksten ausdrücken kann. Es ist sexy, emotional, freudig und manchmal melancholisch. Das hat mich schon immer sehr fasziniert.

Dein Publikum berichtet von purem Gänsehautfeeling. Bist Du im privaten auch eher ein Gefühls- oder ein Kopfmensch?
Wenn ich mich entscheiden müsste, bin ich eher ein Gefühlsmensch. Wobei es das Interessante ist, die Waage zwischen beiden zu halten. Ich mache mir sehr viel Gedanken über alles – insbesondere über unsere Heimat, die Erde. Ich will ja nicht nur Musik machen, sondern auch verfolgen was auf unserem Planeten passiert. Wir sind eine Menschenfamilie und sollten nachsichtig miteinander sein. Es liegt an uns und wie wir miteinander und mit unserer Erde umgehen. „Love is stronger than hate“ ist mein Motto. Als Gefühlsmensch träume ich von einer besseren Welt, denn ich liebe die Erde. Als Kopfmensch mache ich mir Gedanken darüber, was man bewegen kann. Grundsätzlich bin ich aber eindeutig mehr für das Gefühl, als verkopft zu sein.

Du hattest unsere Erde als Heimatort angesprochen. Wie stehst Du zu dem derzeitigen Klimahype?
Ich finde es wahnsinnig toll, dass momentan viel passiert und dieses Thema im Bewusstsein der Menschen ist. Als Künstler muss man eine klare Haltung haben. Nur mit Emotionen geht es nicht, sondern es müssen auch schlaue Köpfe ran. Wichtig ist, dass es nicht nur um das Klima, sondern besonders um den Umweltschutz geht. Wenn die Umwelt geschützt wird, haben wir automatisch eine gesunde Klimaentwicklung.

Du bist solo unterwegs, arbeitest derzeit an einem neuen Album und machst noch viele gemeinsame Projekte mit Deinem „best buddy“ Udo Lindenberg. Verrate uns doch, wie Du das zeitlich alles hinbekommst?
Nur in den Tag hineinleben würde nicht funktionieren. Man muss darauf achten, alles im Gleichgewicht zu halten. In manchen Phasen kommt alles zusammen und dann braucht man danach Ruhe. Meine unterschiedlichsten Projekte sind für mich eins. Man kann es nicht trennen. Das ist bei Udo genau auch so. Er ist authentisch dabei, die Themen, die ihn bewegen, in seine Musik zu integrieren. Das verbindet uns. Bei mir ist das auch so: Wo Noah auftaucht ist Noah drin (lacht). Egal, ob in der Musik oder in Projekten der Udo-Lindenberg-Stiftung, wie etwa in unserem sozialen Schulprojekt.

Erzählst Du uns kurz etwas zu dem Schulprojekt?
Das Schulprojekt der Udo-Lindenberg- Stiftung heißt „Hinterm Horizont macht Schule“. Wir gehen hauptsächlich an Schulen, an denen viele Kinder sind, denen es an sozialer Unterstützung fehlt. Sie haben unterschiedliche Instrumente zur Verfügung und nach einem Jahr Üben und Vorbereiten wird eine professionelle Schüler-Version von Udos Musical „Hinterm Horizont“ aufgeführt. Die soziale Entwicklung steht dabei im Vordergrund, deswegen ist der Weg das Ziel. Das Projekt läuft gerade zum vierten Mal in Thüringen und ist jetzt in der finalen Phase. Ich bin künstlerischer Leiter des Projektes und wir konnten im Rahmen unserer Arbeit schon viele Mauern durchbrechen.

Was liebst Du besonders an dem goldenen Herbst?
Das Wort „golden“ sagt ja schon alles. Gold steht für Schönheit, Strahlen, Helligkeit und Wert. Ich bin ein Sonnenkind, deswegen bin ich immer etwas traurig, wenn der Sommer geht. Aber wenn der Herbst dann da ist, freu ich mich über die Vielfalt. Die Blätter werden bunt und ich erfreue mich an dieser neuen Phase. Das Leben ist im Wandel und jede Phase zeigt uns eine besondere Art der Schönheit. Die Natur macht es mit ihrer unfassbaren Schönheit vor.

Am 31.10.2019 solltest du ursprünglich zusammen mit deinem Freund Arno Köster eine musikalische Lesung in der Trinkkurhalle in Timmendorfer Strand halten. Diese findet nun aber doch nicht statt?
Das Buch, aus dem vorgelesen werden sollte, heißt „Hoffnung für Kenia“. Arno geht es darum aufzuzeigen, was die Stiftung in Kenia macht. Wir verfolgen die Situation in Afrika seit langem. Jetzt findet diese Lesung aber nicht statt, da ich mich in dieser Zeit in Kenia aufhalte. Ich wurde spontan eingeladen, und da es genau diese Thematik betrifft, werde ich dieser Einladung Folge leisten. Ich bin in dortige Projekte involviert. Grob geht es um ein Jazzprojekt. In Kenia entsteht ein großes Jazzfestival, auf dem auch Jazzgrößen aus den USA auftreten. Damit wird unter anderem ein dortiges Jugendblasorchester unterstützt. Meine gesammelten Erfahrungen werde ich dann am 14. November beim UNICEF-Talk in Timmendorfer Strand mit interessierten Zuhörern teilen. Dann bin ich frisch aus Kenia wieder im Lande und werde berichten.

Dann können wir uns ja auf den November freuen. Was magst Du besonders an der Gegend hier?
Es kommen Heimatgefühle auf, wenn ich hier bin. Ich liebe das Meer. Bisher haben mich immer irgendwelche Zufälle nach Timmendorf gebracht. Ich hatte hier viele intensive Erlebnisse, besonders durch Udo. Jede Tournee beginnt mit der Probephase in Timmendorf direkt am Strand. Es fühlt sich an wie nach Hause kommen.

Verrate uns bitte zum Schluss Deinen ganz persönlichen Schlüssel zum Glück?
Ich muss überlegen. Jetzt kommt der Kopfmensch wieder (lacht). Ich weiß nicht, ob es einen Schlüssel gibt. Bei allem Trubel muss man sich Zeit für sich nehmen und sich besinnen. Ich erfreue mich an einer positiven Umgebung, guten Freunden und an einer friedvollen Umgebung. In aktiven Phasen muss man auch mal innehalten und sich bewusst machen, wie gut wir es haben. Eigentlich ist Gesundheit der Schlüssel. Denn wenn die nicht gegeben ist, ist alles andere unwichtig.

In diesem Sinne bedanken wir uns herzlich für das tolle Gespräch!

© Foto: Rüdiger Knuth

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