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Byebye Netflix und Co.

© Foto: VitalikRadko / depositphotos.com

Es war ein langer und harter Kampf. Zwischendurch dachten meine Frau und ich schon ans Aufgeben, aber dann war es vollbracht! Wir hatten die ermüdende achte Staffel von Game of Thrones erfolgreich hinter uns gebracht. Genauso erging es uns zuvor mit der Serie House of Cards, die schon vor Kevin Spaceys Ausscheiden langsam aber sich zu einer Karikatur ihrer selbst mutierte.

Warum tut man sich das eigentlich an? Könnte man seinen Feierabend nicht auch erfüllender gestalten? Ein kleiner Spaziergang, ein spannendes Buch, ein gutes Gespräch oder vielleicht sogar Sex – all das hat Seltenheitswert, seitdem meine bessere Hälfte und ich uns im vergangenen Jahr bei Netflix angemeldet haben. Amazon Prime hatten wir ja ohnehin schon. Die Idee dahinter: Wir wollten weniger fernsehen. An die Stelle ungesteuerter Berieselung sollte die bewusste Entscheidung zugunsten von Filmen oder Serien treten, die uns wirklich interessieren. Wir waren ja so naiv! Das Argument, um einem Machwerk trotz nachlassenden Niveaus die Treue zu halten, war immer das gleiche. „Jetzt haben wir es schon soweit gebracht, jetzt will ich auch wissen, wie die Serie zu Ende geht.“ Neben dem eigenen Antrieb, etwas abzuschließen, oder gar abzuarbeiten, spielte natürlich auch die soziale Komponente eine Rolle.

Bloß nicht den Anschluss verlieren, oder sich der Gefahr aussetzen, dass die unbedachte Äußerung eines Freundes oder Kollegen die „Arbeit“ von Wochen oder Monaten zunichte macht. „Oh, tut mir leid. Ich dachte du wusstest schon, dass Daenerys von Jon Schnee umgebracht wird.“ Ein Leben ohne Netflix ist möglich, aber sinnlos. So sehen es fast 160 Millionen Abonnenten weltweit – die Zweit- und Drittgucker, die kostenlosen Zugriff auf einen Account haben, sind dabei noch gar nicht eingerechnet. Bis vor Kurzem hätte auch ich mir ein Leben ohne Streaming nicht vorstellen können, aber nach dem Finale von Game of Thrones war es Zeit, die Reißleine zu ziehen. Während so mancher Fan ob dieser herben Enttäuschung dem Freitod nahe war und per Petition den Neudreh der Schlussstaffel forderte, gingen meine Frau und ich einen anderen Weg. Wir entfernten die Glotze aus dem Schlafzimmer, kündigten unsere Streaming-Abos und schlossen eine Mitgliedschaft in der Videothek um die Ecke ab – ja so etwas gibt es tatsächlich noch vereinzelt. Seitdem gestalten wir unseren Feierabend deutlich erfüllter. Ein kleiner Spaziergang, ein spannendes Buch, ein gutes Gespräch oder vielleicht sogar Sex – all das hat nach wie vor Seltenheitswert, aber Veränderungen kommen ja selten über Nacht. pa

© Foto: VitalikRadko / depositphotos.com

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