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Interview – Im Gespräch mit Arno Köster

© Foto: Niko Kazal

Arno Köster ist seit 2009 für die Udo-Lindenberg-Stiftung als Kuratoriumsmitglied und Projektleiter tätig und hat auch schon verschiedene Bücher geschrieben. Derzeit tourt er mit einer Lesereise quer durch Deutschland, um auf die Missstände in Kenia hinzuweisen. Eigentlich ist der in Mannheim aufgewachsene Moderator, Autor und Journalist oftmals derjenige der die Fragen stellt. Für unseren Talk wechselte er die Perspektive und wir erfuhren einiges von ihm…

Hallo Herr Köster, neben verschiedenen Büchern haben Sie auch das Werk „Hoffnung für Kenia – die Udo-Lindenberg-Stiftung in Afrika“ veröffentlicht. Wie genau hat sich die Stiftung in Afrika eingebracht?
Die ULS ist seit rund zehn Jahren in Afrika tätig. Erst Südafrika, dann Tansania und aktuell Kenia, wo wir uns inzwischen ein flexibles Netzwerk aufbauen konnten. Wir sondieren aber auch Projekte in anderen Ländern, so aktuell in Ruanda und Liberia. Bei all unseren Projekten setzen wir auf Nachhaltigkeit, vor allem in den Bereichen Wasserversorgung und Bildung. Soll heißen, wenn ein Projekt abgeschlossen ist, sollte man uns bestenfalls nicht mehr brauchen. Wir möchten den Menschen etwas geben, was sie nachhaltig weiterbringt.

Darüber hinaus machen Sie mit Lesungen aus dem Buch auf die Missstände in Afrika aufmerksam. Können wir Ihnen auch hier an der Ostsee zuhören?
Ja, im Oktober lese ich in Timmendorfer Strand. Dabei bin ich nicht alleine, sondern bringe meinen Freund den Saxofonisten Noah Fischer mit. Er wird das Ganze einfühlsam und eindrucksvoll begleiten. Mit Film- und Fotoprojektionen wird es dann wie so ein RoadMovie.

Wissen Sie schon, um was es in Ihrem nächsten Buch gehen soll?
Das wird nicht verraten. Nur so viel, ich bin dran. Es wird mit all den Welten zu tun haben, in denen ich mich so bewege.

Wir leben in einer Welt des Überflusses – es werden massenweise Nahrungsmittel weggeschmissen und der Wasserverbrauch der deutschen Haushalte ist enorm. Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie die Situation in Kenia hautnah miterlebt haben?
Dort sieht man die Folgen unserer Konsumwelt und unserer perversen Warenströme ganz deutlich. Seien es erodierte Böden, weil in Monokulturen Schnittblumen oder Bananen angebaut werden, oder gigantische Abbruchhalden, weil hier – vornehmlich chinesische Unternehmen – nach seltenen Erden gesucht haben. Oder Hunger in einer Region, in der eigentlich drei Ernten im Jahr möglich wären. Das zu sehen macht schon traurig.

Leben Sie dadurch bewusster?
Ich versuche es. Einhundertprozentig konsequent in dieser Sache fällt schwer. Wenn man bewusst leben möchte, sollte man ja auch Besitzverhältnisse und Unternehmensstrukturen durchschauen. Ich war mir zum Beispiel jahrelang sicher, dass ich meine Kosmetika politisch korrekt einkaufe, wenn ich zum The Body Shop gehe. Bis ich herausfand, dass der Laden indirekt Nestle gehört. Das läuft über Anteile bei L`Oréal, bei denen wiederum Nestle der größte Gesellschafter ist. Es fällt schon schwer, da durchzublicken. Aber, in Sachen Wasser kann man was tun. Ich kaufe keines in Plastikflaschen und schon gar nicht von Nestle, wie zum Beispiel St. Pellegrino. Zu Hause trinke ich Leitungswasser und versuche zu sparen, wo es nur geht.

Für was setzt sich die Udo-Lindenberg-Stiftung noch ein?
Für Menschenrechte weltweit und sozial benachteiligte Jugendliche in Deutschland. Das machen wir mit unserem Schulprojekt „Hinterm Horizont macht Schule“, welches wir jeweils über ein Schuljahr mit Schulen in sozialen Brennpunkten durchführen. Da geht es um die Vermittlung von sozialer Kompetenz, Zusammenhalt, Geschichts- und Demokratieverständnis. Darüber hinaus sind wir, zusammen mit anderen zivilgesellschaftlichen Stiftungen – einer der Förderer zivilgesellschaftlicher Initiativen beim „Sächsischen Demokratiepreis“.

Als PR-Manager für Udo Lindenberg ziehen Sie im Hintergrund viele Strippen und auch verbindet Sie eine enge Freundschaft mit dem Panikrocker. Erzählen Sie uns kurz wie es dazu kam?
Wir kennen uns schon lange. In den auslaufenden 80ern und beginnenden 90ern habe ich als Journalist viele Interviews mit ihm gemacht. Irgendwie hatten wir immer einen guten Flow miteinander. 1996 dann, bei der Réunion Tour des Panikorchesters bin ich erstmals mitgefahren. Am letzten Abend saßen wir in einem Berliner Hotel. Udo wusste damals nicht, wie er die Legende wieder aufbaut und vor allem mit wem. Über die Jahre haben wir das dann gemeinsam mit einigen wenigen sehr engen Vertrauten versucht und am Ende auch geschafft. 2006 hat Udo mir dann die Stiftung anvertraut. Dafür bin ich ihm ewig dankbar.

Der Sommer steht vor der Tür. Geht es für Sie in den Urlaub?
Bei uns heißt das „Tourlaub“. Ich bin von Anfang Mai bis Ende Juli mit Udo in der ganzen Republik und den großen Arenen unterwegs. Danach geht es wieder ein paar Wochen nach Kenia. Da stehen allerdings die Projekte im Mittelpunkt, wobei ich mir immer ein paar Tage Safari gönne, wenn ich schon mal da bin.

Gibt es etwas, was Sie unbedingt mal erleben möchten?
Weltfrieden, kein Religions- oder Stammesstreit, ein Ende der Korruption und die Durchsetzung der Menschenrechte überall. Schluss mit Hungersnöten und Wasser für alle! Außerdem möchte ich es noch erleben, wenn RB Leipzig die Champions League gewinnt.

Wir danken für das nette Gespräch und wünschen Ihnen
für die Zukunft alles Gute!

© Foto: Niko Kazal

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