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Weihnachtswünsche – Die Welt des Spielzeugs um die Jahrhundertwende

© Fotos: St. Annen-Museum

Ein eigenes Spielzimmer zu haben, war zu vielen Zeiten nicht üblich. Erst in der Biedermeierzeit entwickelte sich dieser Trend und die besser gestellten Bürgerkinder wurden zu Weihnachten reich mit Spielzeug beschenkt. Wie die Welt der Großen im Kleinen aussieht, zeigt jetzt vom 19. November bis zum 4. Februar 2018 eine Ausstellung mit detailgetreuen Nachbildungen im St. Annen-Museum.

Das Museum besitzt eine kleine, vielseitige Spielzeugsammlung, die vor allem auf Schenkungen beruht. Hier sind so manche Schätze zu heben, die die kulturgeschichtliche Sammlung des Hauses abrunden und den Blick auch auf diese Thematik lenken. Zusammen mit der fantastischen Spielzeug- und Puppensammlung von Sieglinde und Uwe Müller-Albrecht versetzen die Exponate den Besucher in eine romantische Weihnachtswelt.
Vom „Wünschen“ über das „Warten“ in der spannenden Adventszeit bis zum „Wundern“ am festlichen Heiligen Abend unter dem Tannenbaum vermittelt diese Ausstellung etwas vom Glanz der bürgerlichen Weihnachtszeit früherer Tage. Das Spielzeug war dem gesellschaftlichen Rollenverständnis untergeordnet. Für die Mädchen gab es deshalb alles rund um ihre spätere Aufgabe als Mutter und Hausfrau, während Jungen gerne auf ihre Rolle als Bauherren oder Soldaten vorbereitet wurden. Sie erhielten etwa Puppen mit sämtlichem Zubehör, Ankerbaukästen, Zinnsoldaten oder Steckenpferde mit Säbeln. Darüber hinaus entstanden spätestens zu dieser Zeit auch heute noch beliebte Brettspiele wie „Mensch ärgere Dich nicht“ und Kartenspiele. Bilderbücher weckten die Vorstellungen einer heilen Welt.

All dies galt jedoch lediglich für die Bürgerkinder, während Arbeiterkinder nicht selten bereits in frühen Jahren in Heimarbeit solche Spielzeuge herstellen mussten. Sie selbst besaßen weder Kinderzimmer noch Spielzeug. An eine unbeschwerte Kindheit war für sie nicht zu denken. Das Bild des Kindes, das in seiner Entwicklung gefördert werden muss, wurde seit dem späten 18. und im 19. Jahrhundert geprägt – von Reformpädagogen wie Pestalozzi oder Rousseau mit seinem berühmten Roman „Emile oder über die Erziehung“. Neue, menschenfreundlichere Erziehungsvorstellungen lösten die oft brutale und rein auf Drill beruhende „schwarze Pädagogik“ ab. Zu entdecken sind Ensembles mit zahlreichen kleinen, manchmal winzigen Zubehörteilen zu den großen Themen wie etwa Schlafen, Baden, Kochen, Speisen und Nähen ebenso wie die Puppenküche der Familie Mann, Schiffe, Bilderbücher, Brettspiele und Papiertheater, die um die Jahrhundertwende gerade zu Weihnachten von der ganzen Familie bespielt wurden. Neben einem Begleitheft zur Ausstellung und einem interaktiven Kinderheft wird im Rahmenprogramm der Bogen zur heutigen Zeit geschlagen. Dazu gehören neben klassischen Führungen auch Gespräche mit den Sammlern in der Ausstellung, ebenso wie Workshops für Kinder. Gemeinsam mit einem breiten Angebot im Museumsshop und kulinarischen Köstlichkeiten im Museumsbistro können Sie sich von der Weihnachtswelt St. Annen verzaubern lassen.

 

Museumsquartier St. Annen | St. Annen-Museum
St. Annen-Str. 15, 23552 Lübeck
01.04.-31.12. | Di-So | 10-17 Uhr
01.01.-31.03. | Di-So | 11-17 Uhr
www.st-annen-museum.de | mq@luebeck.de

© Fotos: St. Annen-Museum

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