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Männer – Besserwisser heißen jetzt Mansplainer

© Foto: Dbunn / Fotolia

Neulich vor der Glotze: „Nein, Lloyd ist der grüne Ninja, der blaue heißt Jay. Du hast ja gar keine Ahnung von Ninjago!“ Unser Lütter führte seiner zwei Jahre jüngeren Schwester mal wieder schonungslos ihre eklatanten Wissenslücken vor Augen. Jungs sind halt Besserwisser, das war wohl schon immer so, dachte ich mir. Meine Frau sah das naturgemäß ein wenig anders. „Das sind erste Anzeichen von Mansplaining“, sagte sie lächelnd. Um mich nicht der Blöße hingeben zu müssen, dass ich keine Ahnung hatte, was es mit diesem Begriff auf sich hatte, verschwand ich mit dem Smartphone in der Küche. Mansplaining – laut der allwissenden Erleuchtungsmaschine in meiner Hand ein Portmanteauwort bestehend aus „Man“ und „Explaining“. Weiter las ich von einer amerikanischen Feministin, von Herablassung und Bevormundung. Typischerweise trete Mansplaining auf, wenn ein Mann einer Frau etwas erklären möchte und dabei zum Oberlehrer mutiert. Aber ist das nicht ein bisschen hysterisch? Ist jede kleine Anwandlung von Klugscheisseritis nun ein Ausweis von männlichem Chauvinismus? Offenbart ein kleiner Streit über eine Kinderserie den späteren Charakter des Heranwachsenden? Ich ging zurück ins Wohnzimmer und fragte meine Frau, ob ich ihr denn auch schon mal etwas mansplaint hätte. „Hmm, wo soll ich da anfangen?“, entgegnete sie und legte los: „James Bond-Filme, Messer-Schleifsteine, Fußball und jede andere Art von Sport im Fernsehen, Erziehung, Verbrennungs- und Elektromotoren und natürlich Autofahren an sich. Soll ich fortfahren?“ Das war nicht nötig. Ich hatte begriffen. Die folgende Fahrt zum Supermarkt war eine Übung in Selbstreflexion. Ich überließ meiner Frau das Steuer und hielt mir im Geiste das eine oder andere Mal den Mund zu. Auf dem Rückweg schnappte ich mir vorsichtshalber die Schlüssel. Männer sind nun mal die besseren Autofahrer – Mansplaining hin oder her. pa

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