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Als Kinderspielzeug noch nicht spionierte

© Foto: Romolo Tavani / Fotolia

Früher war alles besser! Vielleicht nicht alles, Spielzeug auf jeden Fall. Die Puppe Cayla eines britischen Herstellers ist wohl das beste Beispiel. Im vergangenen Jahr sorgte das zuckersüße Geburtstagsgeschenk bei der Tochter meines Bruders für große Augen. Cayla verstand Fragen und antwortete darauf. Steuern ließ sich die adrett angezogene Blondine über eine App – unnötig zu erwähnen, dass meine zehnjährige Nichte bereits über das notwendige Smartphone verfügte. „Wollen wir Freunde werden?“ – „Wir sind doch schon Freunde.“ „Was essen Pandabären?“ – „Pandabären essen meistens Bambus.“ Das empathische und universalgelehrte Fräulein aus Plastik wurde zum treuen Freund und Ratgeber, bis zu jenem tränenreichen Tag im Februar, als die Bundesnetzagentur ein Verkaufsverbot gegen die Puppe verhängte und gar deren Zerstörung anordnete. Die Behörde stufte das Spielzeug als „versteckte, sendefähige Anlage“ ein. Problematisch sei vor allem der Umstand, dass Cayla ein Mikrofon sowie eine ungesicherte Funkverbindung mitbringt und somit zu einer Abhöranlage im Kinderzimmer werden könne. Eher harmlos wirkt da noch die unverhohlene Schwärmerei der Puppe für Walt Disney Filme, die sich aus einer bestehenden Geschäftsbeziehung zwischen dem App-Hersteller und dem Kinderunterhaltungsgiganten erklären lässt. Schleichwerbung und Spionage – als Kind der 80er Jahre blieb man Gott sei Dank von derlei Auswüchsen der Spielzeugindustrie verschont. Erst kürzlich fand ich auf dem Dachboden meiner Eltern eine Kiste, die wehmütige Erinnerungen auslöste. Unter einer dicken Staubschicht verbarg sich das sagenumwobene Castle Grayskull sowie alles, was Rang und Namen im Königreich Eternia hatte: Zauberer Orko, Erzbösewicht Skeletor und natürlich He-Man mit einem Bizeps, auf den Arnold Schwarzenegger neidisch wäre und einer Frisur, die Prinz Eisenherz zur Ehre gereicht hätte. In den guten alten analogen Zeiten bedurfte es anscheinend keiner aufwendiger Technik, um sich zu amüsieren. Zugegeben würde ich meinen Kindgeitsgefährten heute gerne einmal nach dessen Workout oder Friseur befragen. Vielleicht war es einfach besser, dass He-Man nicht sprechen konnte.    pa

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