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Wo der Verstand wächst…

© Foto: Pathdoc / Fotolia

Hubschrauber-Landeplatz – mit dieser schönen Metapher bedachten meine Schwester und ich in Kindertagen die ausgeprägte Stirnglatze unseres Großonkels Gunther. Eine derartige Platte hatte innerhalb der Familie echten Seltenheitswert.

Fasziniert von Glanz und Form ließ ich mich einmal dazu hinreißen, Gunthers Haupt anzufassen. Ich wollte wissen, wie sich so etwas wohl anfühlt. Die Reaktion auf diesen eigentlich doch so harmlosen Ausdruck kindlicher Neugier fiel heftig aus. „Was fällt dir ein“, herrschte mich mein Großonkel an. Damals verstand ich die ganze Aufregung nicht. Beim heutigen Blick in den Spiegel kriege ich allerdings eine leise Ahnung, was in Gunther vorgegangen sein muss. Haarausfall ist echt kein Spaß. Vorne machen meine Geheimratsecken schon längst keine Anstalten mehr, ihr Geheimnis zu wahren, hinten wird’s dünn wie Tütensuppe. „Wo der Verstand wächst, da weichen die Haare“, der gut meinte Aufmunterungsversuch meiner besseren Hälfte ist leider auch nur mäßig hilfreich.

Was also tun? Rüberkämmen und hoffen, dass kein noch so kleiner Windstoß die Bemühungen zunichte macht? Wohl eher eine blöde Idee. Dann doch lieber würdevoller Kahlschlag. Männer wie Bruce Willis oder Jason Statham sind trotz oder vielleicht gerade wegen ihrer formschönen Glatze der Inbegriff von Coolness und Maskulinität. Dumm nur, dass eine Haarschneidemaschine nicht jeden Alopezie-Kandidaten zum Actionhelden macht. Ein Lichtblick im Kamp gegen lichtes Haar eröffnet seit einigen Jahren die moderne Medizin. Fußballtrainer Jürgen Klopp machte es vor, FDP-Politiker Christian Lindner zog nach. Vielleicht wäre so eine Haartransplantation angesichts meiner eher unvorteilhaften Kopfform dann doch die würdevollste aller Alternativen. Mein künftiger Großneffe wird es mir vielleicht eines Tages danken.     pa

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