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Mein Haus – mein Auto – mein Grill

© Foto: shockfactor.de / Fotolia

Nein, für einen Angeber habe ich meinen Freund Thomas nie gehalten, eher für einen Genießer mit Sinn für das Besondere. Angesichts seiner neuesten Errungenschaft begann ich allerdings, an meiner Einschätzung zu zweifeln. Pünktlich zu den ersten Sonnenstrahlen des Aprils hatte der Mittdreißiger Freunde, Nachbarn und Familie zu einer kleinen Grillparty eingeladen – so weit, so unspektakulär.

Als meine bessere Hälfte und ich den Garten seines Mehrfamilienhauses betraten, staunten wir nicht schlecht über die Menschentraube, die sich auf der Terrasse gebildet hatte. Wir bahnten uns den Weg durch die verzückte Menge und nahmen schließlich das Objekt der Begierde in Augenschein. War das noch ein Grill oder doch schon eine vollwertige Outdoor-Küche, die jedem Sternekoch zur Ehre gereicht hätte? Thomas erklärte seiner Zuhörerschaft die Vorzüge seines überdimensionierten Neuerwerbs. Da war von separaten Garräumen, 11 kg Gasflaschen, emaillierten Ablagerosten und einem Deluxe Accu-temp Thermometer die Rede. Wie viel der passionierte Griller dafür hingelegt hatte, wollte er nicht verraten. Es liege aber irgendwo im vierstelligen Bereich. Nachdem sich der erste Jubel gelegt hatte, setzten sich die Gäste in freudiger Erwartung ob des da kommenden kulinarischen Großereignisses. Unnötig zu erwähnen, dass Thomas nicht mit profanen Rostbratwürstchen aufwartete. Stattdessen kredenzte der gutgelaunte Gastgeber argentinisches Steak, irisches Lammkarree und allerlei Köstlichkeiten für die Gemüsefraktion. Ebenso unnötig zu erwähnen, dass der ganze Kram auch noch verdammt gut schmeckte. Bei all der all der dargebotenen Opulenz verwarf ich mein geplantes Gartenfest.

Obwohl der 10-Euro-Grill aus dem Discounter meines Vertrauens uns immer gute Dienste geleistet hatte, schien er auf einmal nicht mehr gut genug. Gesättigt, aber mit einigen Fragezeichen im Kopf machten wir uns schließlich auf den Heimweg. Muss man wirklich so viel Geld in die Hand nehmen, um seine Liebsten zu bewirten? Anscheinend muss man, wie die nächsten Wochen bewiesen. Unter meinen Freunden brach ein wahres Wettrüsten aus. Wer hat den größten, den glänzendsten und nicht zuletzt den teuersten Grill. Mein Haus, mein Auto, meine Yacht – das war einmal. Das neue Statusobjekt heißt Grill, sofern man die modernen High-End-Varianten überhaupt noch so nennen mag. Zugegeben, kurzzeitig habe auch ich mit dem Gedanken an ein Upgrade geliebäugelt, kam aber schnell wieder zur Räson. Was könnte man sich für das Geld alles leisten? Einen neuen Gebrauchtwagen, eine mehrwöchige Luxuskreuzfahrt oder einige hundert Restaurantbesuche. Und außerdem mag ich ganz profane Rostbratwürstchen.

pa

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