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Segeln mit Tradition in Travemünde

1906 Sonderklasse Yachten

Das Promenieren, Flanieren und zunächst zaghafte Baden in der See vom Badekarren aus hat in
Travemünde Tradition. 1802 wird das Städtchen an der Trave als dritter Ort Deutschlands ein Seebad. Bis die ersten Segler ihre Regatten austrugen, sollten aber noch viele Jahrzehnte vergehen.

Gegründet wurde die Travemünder Woche (TW) im Jahr 1889. Zunächst segelten die Hamburger Kaufleute Hermann Wentzel und Hermann Dröge vor Travemünde um die Wette, wobei der Sieger eine Flasche Rotspon erhielt. Damals musste eine Organisation gegründet werden, die die Segelwoche professionell organisierte, wofür sich sogar Kaiser Wilhelm II einsetzte. Der ehemaligen ehrenamtlichen Geschäftsführerin Karin Böge ist es zu verdanken, dass Details aus der Geschichte der TW bekannt sind. „Des Kaisers jüngerer Bruder Prinz Heinrich steht in Gummistiefeln und Ölzeug selbst am Ruder seiner „L’Espérance“ und leitet einen Wandel ein, weg von rein bezahlten Mannschaften und Skippern. Wilhelm II. ermuntert die Lübecker Segelsportfreunde auf einem Bierabend zu stärkerer Beteiligung, woraufhin im Folgejahr (1898) der Lübecker Yacht-Club gegründet wird“, heißt es in den Aufzeichnungen. Er ist seither mit seinen Clubhäusern an der Wakenitz und der Ostsee Hauptveranstalter; Mitveranstalter sind die Hansestadt Lübeck, der Norddeutsche Regatta Verein (NRV) und der Hamburger Segler-Club (HSC).

In den Aufzeichnungen von Karin Böge finden sich immer wieder amüsante und interessante Hinweise. So schrieb 1906 ein Zeitungsreporter von Windstärken acht bis elf und im amtlichen Bericht war von einem „sehr frischen Wind“ die Rede. Ein Jahr später entstand beim Seglerfrühstück im Lübecker Ratskeller die Idee einer Sonderklassenyacht, dem ersten Vorläufer der heutigen Einheitsklassen. Sie sollte elf Meter lang sein, 51 Quadratmeter Segelfläche haben und höchstens 5100 Mark kosten. 1911 gehen 21 Vereine aus vier Ländern an den Start. Parallel gibt es Pferderennen auf dem Priwall und ein Tennisturnier an der Außenallee. Wegen der Witterung wird auf der Pötenitzer Wiek gesegelt. In der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts fand das Segelereignis aufgrund der beiden Weltkriege nicht regelmäßig statt. Mal geht’s bergauf, mal bergab mit den Anmeldungen. Trotz des 150. Geburtstages des Ostseebades Travemünde kämpft die TW nach zwei guten Jahren wieder mit Melderückgängen; das war 1952. Doch 1960 begann die Epoche als Meisterschaftswoche mit drei Deutschen Meisterschaften und im folgenden Jahr wurde wegen des Zuwachses das Gelände am Leuchtenfeld angemietet und das Clubhaus in Travemünde vergrößert.

Zum 100-jährigen Jubiläum 1989 gab es ein großes Fest und die Regatta wurde auf drei Wochen ausgedehnt. Die Zahlen sprechen für sich: Fast 2.800 Aktive auf 1.280 Booten aus 28 Ländern, reichlich Empfänge und Feste, 16 Klassen auf der Seebahn, vier internationale Meisterschaften und 80 Windjammer der International Sail Training Association sorgten für einen überaus gelungenen Geburtstag. Und in diesem Jahr gibt es vom 21. bis zum 30. Juli drei Schwerpunkte: “Jugend, Bundesliga und Seesegeln“ setzen klare sportliche Akzente an der Mündung der Trave.

 

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