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Die Katharinenkirche – Kleinod in Backstein in der Hansestadt Lübeck

© Fotos: St. Katharinen-Fotoarchiv HL

Wer sie nicht kennt, sollte sich für einen Besuch unbedingt einmal Zeit nehmen und ihn in Kombination mit einer öffentlichen Führung planen. Zu finden ist die Katharinenkirche, die um 1300 errichtet wurde, in der Königstraße/Ecke Glockengießerstraße. Ehemals war St. Katharinen Kloster der Franziskanermönche und Zentrum des Ordens im gesamten Ostseeraum.

Sie gehört in ihrer schlicht-eleganten Form zu den schönsten Backsteinkirchen Lübecks. Schwarzgrün glasierte und rote unglasierte Ziegel wechseln sich ab. Besonders erwähnenswert ist auch, dass sie moderne Plastiken beherbergt. Ernst Barlach und Gerhard Marcks schufen in den 1930 und 1950er Jahren große Keramikfiguren für die Nischen, die sich harmonisch in die gotische Architektur fügen und mit ihr in den Dialog treten.

Der Innenraum der Kirche ist lichtdurchflutet, wobei die helle Farbe der Wände und Pfeiler mit ihrem roten aufgemalten Quadermuster der freigelegten Originalfassung des 14. Jahrhunderts entsprechen. Es fällt auf, dass der Fußboden vollständig mit Grabplatten bedeckt ist, denn die Kirche diente Lübecker Bürgern bis ins frühe 19. Jahrhundert als bevorzugte Grablege. Dies lässt sich auch an den schmuckvollen barocken und klassizistischen Grabkapellen im südlichen Seitenschiff ablesen.

Das hohe lichte Mittelschiff mit seinen großen Fenstern birgt mit dem zweigeschossigen Chor eine für Franziskanerkirchen ungewöhnliche architektonische Besonderheit: Abgetrennt durch den Lettner mit einer bedeutenden Triumphkreuzgruppe aus der Zeit um 1450 liegt ebenerdig unter Säulenstellungen der Unterchor. Er ist dunkel und wirkt wie eine Krypta. Über dem Unterchor erhebt sich der taghelle Oberchor hinter der Triumphkreuzgruppe. Hier steht das alte Chorgestühl aus dem 14. Jahrhundert mit Malereien aus dem 15. Jahrhundert. Ursprünglich konnten die Franziskaner von ihrem Schlafraum, dem Dormitorium, im angrenzenden Kloster geradewegs in die „Oberkirche“ gelangen, um hier ihre Stundengebete abzuhalten. Der Zugang vom Kirchenraum zum Oberchor war ursprünglich nur durch zwei enge Wendeltreppen möglich. Die heutige Treppe rechts am Lettner, deren Front mit Szenen aus dem Leben des Hl. Franziskus bemalt ist, stammt erst aus dem frühen 16. Jahrhundert. Im Zuge der Reformation wurde das Kloster 1530 aufgehoben und das Gebäude diente als städtische Lateinschule. Der Name „Katharineum“ erinnert heute noch daran. Bei den interessanten Führungen erfahren Sie auch einiges über bedeutende Kunstwerke, wie die „Erweckung des Lazarus“ des berühmten venezianischen Malers Jacopo Tintoretto.

Die Termine für die öffentlichen Führungen, die 4 Euro zzgl. Eintritt kosten, beginnen Anfang April. In diesem Zusammenhang möchten wir noch darauf aufmerksam machen, dass am Internationalen Museumstag (21. Mai) besondere Führungen stattfinden werden. Außerdem erwartet Sie ein Festkonzert mit Werken von Georg Muffat und Johann Sebastian Bach. Auch die Viertel-nach-zwölf-Konzerte mit Studierenden der Musikhochschule, die immer samstags von Mai bis September angeboten werden, sind hörenswert. Führungen können auch gebucht werden unter der Telefonnummer 0451 1224134. Weitere Informationen über die Kirche und die Veranstaltungen finden Sie unter www.museumskirche.de.

© Fotos: St. Katharinen-Fotoarchiv HL

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